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Auf dieser Seite möchten wir in lockerer Folge über Pflanzen und Insekten berichten.

Der "Kaisermantel" ist der Schmetterling des Jahres 2022
 

Die BUND NRW Naturschutzstiftung und die Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen e.V. haben den Kaisermantel (Argynnis paphia) zum Schmetterling des Jahres 2022 gekürt. Sie weisen mit der Wahl darauf hin, wie wichtig gesunde und naturnahe Wälder sind. Triste Fichtenmonokulturen sind nicht nur für den Schmetterling des Jahres ungeeignete Lebensräume. Hier stehen die Bäume häufig so eng, dass nur wenig Licht auf den Waldboden fällt und kaum Pflanzen wachsen. Der Kaisermantel ist jedoch auf Bodenbewuchs angewiesen. Für den auffälligen Falter ist naturnaher lichter Mischwald mit Veilchenvorkommen, der Raupennahrung, der ideale Lebensraum. Zudem ist er wesentlich artenreicher und auch beständiger gegen Klimaphänomene. Auf den Flächen mit abgestorbenen Fichten sollte daher künftig besser Mischwald wachsen.


Der Kaisermantel - Schmetterling des Jahres 2022 (Bild: © T. Laußmann) Das Vorkommen des Kaisermantels sind die Waldränder, Waldwege und die Waldlichtungen. Er kann ebenso auf blütenreichen, von Wald umgebenen Feuchtwiesen angetroffen werden. Ebenso kann der Edelfalter in den meisten Gegenden noch gut beobachtet werden. Vor allem in den unteren und mittleren Lagen der Mittelgebirge.
Männchen vom Kaisermantel - die Längsstriche Bild: © T. Laußmann


Im Sommer bewohnt der Kaisermantel Waldränder und Lichtungen, wo er häufig an Disteln, Flockenblumen oder Skabiosen (bilden eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Geißblattgewächse) saugt. Anders als die etwas blasser gefärbten Weibchen, zeigen die satt orangefarbenen Männchen breite Striche auf den Vorderflügeln, die "Duftschuppen". Damit locken sie die Weibchen an. Diese legen nach der Paarung ihre Eier in geringer Höhe an Baumrinde ab, aber nur an Bäumen, die in der Nähe von Veilchen wachsen. Im Spätsommer schlüpfen die Raupen, fressen aber zunächst nur ihre Eihülle. Dann verbergen sie sich in Ritzen der Baumrinde, um zu überwintern. Erst im Frühjahr krabbeln die Raupen herunter auf den Waldboden und ernähren sich von den Blättern verschiedener Veilchenarten.


Bitte beachten Sie die Zeichnungen von Männchen und Weibchen, der Flügeloberseiten.

Die etwas blasser gefärbten Weibchen haben auf der Flügeloberseite keine Striche sonder Flecken.
Weibchen vom Kaisermantel haben keine Striche sondern Flecken auf den Vorderflügeln (Bild: © T.Laußmann)
Bild: © T. Laußmann Weibchen vom Kaisermantel - die Flecken


Der Kaisermantel ist ein eifriger Blütenbesucher. Oft sehe ich ihn schon Ende Juni, wenn der Sommerflieder in meinem Garten blüht, an den Blütenständen von Buddleja. Gerne ist er auch an besonders attraktiven Saugpflanzen wie Disteln oder Bärenklau anzutreffen. Bei der Balz fliegt das Männchen unter einem Weibchen hindurch und sendet dabei wohl einen Lockstoff aus seinen Duftschuppen aus. Auch das Weibchen sendet einen Lockstoff aus, der das Männchen zur Paarung animiert.


Kaisermantel-Männchen an einem Sommerflieder (Buddleja) (Bild: © Wolfgang Höfer) Die Sommerflieder (Buddleja), der auch Schmetterlingsflieder genannt wird, weil viele Schmetterlingsarten aber auch viele andere Insekten hier anzutreffen sind.
Sommerflieder gehören zu der Familie der Braunwurzgewächse.
Kaisermantel-Männchen an einem Sommerflieder (Buddleja) Bild: © Wolfgang Höfer



Das Weibchen legt die Eier nicht an der Futterpflanze ab, sondert heftet die Eier in der Nähe von Veilchen (Viola) an Baumstämme. Hierzu umfliegt es in Spiralen den unteren Stammbereich, vor allem Kiefern und Fichten und setzt im Abstand von einem halben bis einem Meter immer wieder einzelne Eier ab.


Die Eier, die einzeln abgelegt werden, sind weißlich gelb. Das Ei des Kaisermantels besitzt Längs- und Querrippen. Die Eiablage erfolgt nicht an der Nahrungspflanze, sondern in Baumrinden von Laub- und Nadelbäumen in der Nähe gut beschatteter Veilchen-Pflanzen. Ei vom Kaisermantel an der Baumrinde (Bild: © W. Wagner)
Bild: © W. Wagner Ei vom Kaisermantel


Die Raupen schlüpfen noch im Spätsommer, fressen nur ihre Eihüllen, verkriechen sich wenig später zur Überwinterung, ohne eine weitere Nahrungsaufnahme. Erst im März beginnen die Raupen dann mit der Nahrungsaufnahme und fressen an den Blättern der Veilchen. Die Raupen des Kaisermantels fressen nur nachts und halten sich den Tag über unter Blättern verborgen.



Futterpflanzen der Raupen
Am Rauen Veilchen und weiteren Veilchen-Arten



Raupe vom Kaisermantel - sie ist braunrot und trägt einen hellen Rückenstreifen und seitliche Flecken (Bild: © D.Müller) Die Raupen des Kaisermantels sind hoch spezialisiert und fressen nur an den Blättern von Veilchen Arten.
z.B. an Raues Veilchen (
Viola hirta), oder auch Rauhaariges Veilchen. Es ist eine Pflanzenart aus der Familie der Veilchengewächse.
Das Rauhes Veilchen wächst als Tiefwurzler in lichten Eichen- und Kiefernwäldern. Es bevorzugt dabei die besonnten bis halbschattigen Säume von Büschen und Halbtrockenrasen.
Raupe vom Kaisermantel - sie ist braunrot und trägt einen hellen Rückenstreifen und seitliche Flecken. Bild: © D. Müller


Die Nahrung der Raupen des Kaisermantels sind hoch spezialisiert und fressen nur an den Blättern von Veilchenarten, z.B. Wald-Veilchen (Viola reichenbachiana), Hain-Veilchen (Viola riviniana), März-Veilchen (Viola odorata) und Rauhaariges Veilchen (Viola hirta).


Nahrungspflanze der Raupen: Das Raue Veilchen, auch Rauhaariges Veilchen genannt, wächst als Tiefwurzler in lichten Eichen- und Kiefern-Trockenwäldern, bevorzugt in besonnten bis halbschattigen Säumen von Büschen und Halbtrockenrasen. Veilchen - die alleinige Nahrungspflanze der Raupen vom Kaisermantel (Bild: © T.Laußmann)
Bild: © T. Laußmann Alleinige Nahrungspflanze der Raupen des Kaisermantels


Die Verpuppung erfolgt an Zweigen in Bodennähe. Die braune Stützpuppe trägt am Rücken große Höcker und metallisch blau schillernde Glanzflecken.


Puppe des Kaisermantels (Bild: © W.Wagner) Die auffallend bucklige Puppe des Kaisermantels hängt mit dem Kopf nach unten an den Stämmen von Nadelbäumen. Nach zwei bis drei Wochen schlüpft dann der fertige Falter.

Das Verbreitungsgebiet reicht von Europa bis Japan. Bei uns hier in Deutschland ist der Kaisermantel in allen Bundesländern anzutreffen.

Puppe des Kaisermantels Bild: © W. Wagner


Steckbrief des Kaisermantels

Systematik: Der Kaisermantel (Argynnis paphia) ist ein Tagfalter aus der Familie der Edelfalter (Nymphalidae) und gehört dort zu den Perlmuttfaltern. Der Name Permuttfalter bezeichnet ein gemeinsames Merkmal dieser Falter: die perlmuttartig schimmernden Flecken auf der Unterseite der Flügel. Gemeinsam ist den Perlmuttfaltern auch eine orangefarbene Oberseite mit einem Muster aus dunklen Flecken. Zur sicheren Artbestimmung ist bei Perlmuttfaltern außer der Oberseite meist auch ein Blick auf die Unterseite hilfreich.

Warum Kaisermantel? Der Kaisermantel wird auch "Silberstrich" genannt und verdankt den Namen den zwei kurzen und einen langen Streifen auf den Unterseiten seiner moosgrünen Hinterflügel. Der Kaisermantel ist unser größter heimischer Perlmuttfalter.

Verbreitung: Der Kaisermantel ist eine euro-sibirische Art. Ihr Verbreitungsgebiet reicht von Europa über die gemäßigten Klimagebiete Asiens bis nach Japan. In Deutschland ist die Art in allen Bundesländern vertreten, auch in allen Nachbarstaaten kommt sie vor.

In Österreich kann der Kaisermantel in den Bundesländern Wien, Niederösterreich, Burgenland, Steiermark, Kärnten, Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg angetroffen werden. Die Art ist in Österreich nicht gefährdet.

Von Mail bis September kann man den großen Kaisermantel in der ganzen Schweiz bis auf 1.000 Meter ü.M. beobachten. Sie leben vor allem auf blütenreichen Wiesen an sonnigen Waldrändern oder auf Waldlichtungen.

Lebensraum: Der Kaisermantel liebt offene, lichte Mischwälder mit reichhaltiger, aber nicht zu dichter Bodenvegetation, wo Veilchen als Futter für die Raupen wachsen und im Sommer eine reiche Blütenvielfalt Nektar für die Falter bietet.


Kaisermantel auch "Silberstrich" genannt, weil sich auf seinen moosgrünen Hinterflügel-Unterseiten ein langer und zwei kürzere Streifen befinden. Kaisermantel mit der moosgrünen Unterseite der Hinterflügel (Bild: © T.Laußmann)
Bild: © T. Laußmann Kaisermantel mit der Flügelunterseite


Nahrung der Raupen: Die Raupen des Kaisermantels sind hoch spezialisiert und fressen nur an Veilchen.

Beschreibung Imagines: Der Kaisermantel macht mit gut 6 Zentimetern Spannweite und als größter mitteleuropäischer Perlmuttfalter seinem Namen alle Ehre. Mit der leuchtend orangefarbenen Flügeloberseite und dem schmalen, silbrig schimmernden Band auf der grünlichen Unterseite, der zu einem weniger gebräuchlichen Namen "Silberstrich" geführt hat, gehört er zu den schönsten und auffälligsten Tagfaltern im Hochsommer.

Männchen und Weibchen sehen für den Laien erst einmal gleich aus, lassen sich jedoch bei genauem Hinsehen unterscheiden: die Männchen sind oft strahlend orange gefärbt und besitzen breite Striche auf den Vorderflügeln, so genannte Duftschuppen. Die Weibchen sind meist gedeckter gefärbt und haben ausgeprägte dunkle Flecken auf den Vorderflügel-Oberseiten. Weibchen können auch grau-braun gefärbt vorkommen.

Nahrung der Imagines: Wir treffen den Falter im Sommer an Waldrändern, auf Waldwegen sowie auf Lichtungen an, wo er an Disteln, Flockenblumen und Skabiosen saugt, daneben an Wasserdost und anderen Hochstauden mit vorzugsweise blauvioletten bis weißlichen Blüten. Doch auch Blüten von Brombeeren sind beliebt und das sind längst nicht alle Pflanzen, die als Energiequelle dienen können. Zum Nektarsaugen kann der Kaisermantel bis in Parks und Gärten im Siedlungsbereich vordringen. (Ich habe in meinem Garten neben dem Schmetterlingsflieder auch Flockenblumen und Brombeerbüsche, wo ich im Sommer jeden Tag diesen Edelfalter Nektar saugen sehe).

Generationen: Der Kaisermantel bildet nur eine Generation im Jahr mit Hauptflugzeit im Juli und August aus. Die Flugzeit beginnt in der Regel im Juni und klingt im September aus.

Lebenszyklus: Mit dem speziellen Duft ihrer Duftschuppen betören die Männchen die Weibchen im Flug. Nach der Befruchtung suchen die Weibchen im Wald Baumstämme auf, an deren Rinde sie in geringer Höhe ihre Eier ablegen. Wichtig ist, dass in der Nähe des Baumes Veilchen wachsen, möglichst in beschatteten Bereichen. Daher untersucht das Weibchen den Lebensraum sehr intensiv, bevor es zur Eiablage kommt. Nur in geeigneten Habitaten hat der Nachwuchs eine Chance.

Die Raupen schlüpfen bereits im Spätsommer, fressen aber zunächst nur ihre Eihülle und verbergen sich dann in Ritzen der Baumrinde, um zu überwintern.

Im zeitigen Frühling erwachen die Räupchen aus dem Winterschlaf und krabbeln auf den Waldboden, um dort die Blätter verschiedener Veilchenarten zu fressen. Meist fressen die Raupen nur nachts und werden daher selten beobachtet.

Die erwachsenen Raupen verpuppen sich im Frühsommer und entlassen den Falter je nach Witterung ab Juni.

Gefährdung / Rote Liste: Nach der Roten Liste von 2010 gilt der Kaisermantel in Deutschland als ungefährdet, (wie auch auf der Roten Liste Bayern 2016) mit zwar dem kurzfristigen Bestandstrend einer Zunahme, jedoch langfristig einem Rückgang. Dazu passt, dass der Kaisermantel etwa in Nordrhein-Westfalen auf der Roten Liste von 2020 nicht mehr auf der Vorwarnliste geführt wird, da er in einigen Landesteilen in den letzten Jahren häufiger beobachtet werden konnte, auch wenn er in anderen Landesteilen unverändert gefährdet ist.

Die Einstufung als ungefährdet ist also kein Grund zur Sorglosigkeit - auch Waldarten wie der Kaisermantel stehen in Deutschland unter Druck, weil geeignete Lebensräume knapp geworden sind.

Als Schutzmaßnahmen empfohlen ist eine naturnahe Waldbewirtschaftung mit der Förderung von lichten Stellen im Wald, die das Vorkommen der Futterpflanze ermöglichen. Außerdem die Anlage von naturnahen Waldrändern, der Verzicht auf Herbizideinsatz am Waldrandbereich sowie das Belassen oder die Neuschaffung von Wildkrautsäumen, naturnahen Grabenrändern und Feuchtwiesen, auf denen die Nektarpflanzen wachsen können.

Wenn Sie einen alten Baumbestand im Garten haben, so pflanzen Sie doch in der Nähe der Bäume verschiedene Veilchenarten an. Außerdem sollten Brombeerbüsche, Flockenblumen und Sommerflieder nicht als Nektarquelle fehlen. Versuchen Sie es doch einmal. Damit helfen Sie unseren heimischen Schmetterlingen und anderen Insekten sehr.


Ordnung Familie Unterfamilie Tribus Gattung Art
Schmetterlinge Edelfalter Passionsblumenfalter Perlmuttfalter Argynnis Kaisermantel


Vielen Dank an Dr. Jochen Behrmann vom BUND NRW Naturschutzstiftung für die Bereitschaft den Pressetext, sowie die einmaligen Aufnahmen von T.Laußmann, W.Wagner, D.Müller zur Verfügung zu stellen. Vielen Dank auch an Herrn Wolfgang Höfer für eine seiner Aufnahmen vom Kaisermantel. Wer die Arbeit zum Schutz der Schmetterlinge unterstützen möchte, der kann online spenden, unter: www.bund-nrw-naturschutzstiftung.de/spende.htm


Literaturnachweis: Auszüge von Wikipedia und Kosmos Schmetterlingsführer und eigenen Beobachtungen




Aufnahmen aus der Pflanzen- und Tierwelt


Die gesamte "Natur des Jahres" im Überblick:

Die bisherigen "Schmetterlinge des Jahres"

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- letzte Aktualisierung: Mittwoch, 06. Juli 2022 -
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