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Achtung: Wichtige Meldung! Was steckt hinter dem plötzlichen Tod von Meisen, vor allem der Blaumeise?

Die kleinen Blaumeisen, die wohl in jedem Garten zu beobachten sind und für mich immer den Frühling, mit ihrem Gesang, einleiten, sind seit mehreren Wochen fast verschwunden. Dies beobachte ich hier auch bei uns in Mainfranken. In meinem Garten, der sonst ein Tummelplatz der Blaumeisen ist, sind kaum noch welche zu sichten.

Im Mittelpunkt des Interesses der diesjährigen Zählung (Stunde der Gartenvögel) stand die Blaumeise. Seit Anfang März waren beim NABU vermehrt Berichte über kranke und tote Blaumeisen eingegangen. Bis heute registrierte der NABU 19.000 solcher Meldungen, die 35.000 verendete Vögel betreffen. Als Ursache wurde inzwischen das Bakterium Suttonella ornithocola identifiziert, das offensichtlich ausschließlich bei Meisenarten, Lungenentzündungen verursacht. Diese Vogelepidemie flaut seit Ende April deutlich ab. An den vielen Nistkästen, die die Umweltfreunde ausgehängt haben, ist es erfreulicherweise zu sehen, wie Meisten ihre Brut mit Insekten füttern.
Bundesweit betrachtet sind 22 Prozent weniger Blaumeisen pro Garten gemeldet worden, schreibt der NABU. Statt 2,16 Blaumeisen pro Meldung sind es in diesem nur noch 1,66 gewesen, der mit Abstand niedrigste Wert seit dem Beginn der Zählungen im Jahr 2005.


Die Blaumeisenbestände werden von einem Bakterium heimgesucht (Bild: Markus Glässel) Schuld an dem massiven Blaumeisensterben, soll laut NABU das Bakterium (Suttonella ornithocola) sein. Mehrere Landesuntersuchungsämter, konnten den Erreger durch Untersuchungen nachweisen.
Die Blaumeise (Parus caeruleus) ist stark betroffen Bild: Markus Glässel


Dieses Bakterium verursacht bei den betroffenen Meisen eine Lungenentzündung, an der die kleinen Vögel im weiteren Krankheitsverlauf sterben. Von dieser Infektion sind hauptsächlich die kleinen Meisenarten betroffen. Dies sind Blaumeise, Tannen- und Haubenmeise, sowie Sumpf- und Weidenmeise. Die größere Kohlmeise kommt mit diesem Erreger wohl besser klar. In meinem Garten gehen die Kohlmeisen ihrem Brutgeschäft emsig nach.

Wie kann man den kleinen Meisenarten helfen? Sollten in Ihrem Garten tote Meisen vorgekommen sein, dann würde ich Sie bitten, evtl. Futter- und Badestellen für etwa vier Wochen zu entfernen. Grund wäre: damit sich die gesunden Vögel an diesen Stellen (an solchen Stellen sind immer viele Vögel versammelt) nicht anstecken können.

Wer eine tote Blaumeise in seinem Garten oder in der Nähe seines Hauses, oder Wohnorts findet, sollte dies, mit einer detaillierten Meldung, dem NABU melden. www.nabu.de

Stellen den Vögeln in Ihrem Garten, oder in Ihrem Wohnort doch Nistkästen zu Verfügung. Ein natürlicher Garten bietet auch den Vögeln gute Nahrungsbedingungen, so dass sich die Vogelbestände schnellstmöglich erholen können. Wie sich das Blaumeisensterben auf den Bestand der Blaumeisen auswirkt, lässt sich noch nicht sagen. Man kann aber davon ausgehen, dass ähnlich wie beim Amselsterben, die Bestandszahlen vorübergehend zurückgehen. In Bayern gibt es einen Blaumeisenbestand von ca. 250.000 - 600.000 BP.


Die "Vögel des Jahres" seit 1970

Seit 1971 führt schon der Naturschutzbund Deutschland (NABU) zusammen mit dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) bundesweit die Kampagne zum "Vogel des Jahres" durch. Seither ist für die Jahresvögel und ihren jeweiligen Lebensräumen Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit geschaffen worden, und viele sind für den Schutz des Vogels und seines Lebensraumes resensibilisiert. Vor allem hat die Kampagne auch zur Verbesserung rechtlicher Regelungen geführt, wie z.B. das Bundesnaturschutzgesetz 1976 und spezielle Artenschutzregelungen, wie der Schutz von Nestern, Horsten von Greifen und Graureihern sowie von Brutkolonien, etwa der Saatkrähe. Eine nachhaltige Verbesserung erfuhren dadurch die direkt unter Verfolgung leidenden Großvögeln wie Weißstorch, Graureiher oder die Greifvögel. Auch die Sensibilisierung für den Schutz von jahreszeitlich wandernden Arten, wie Rauch- und Mehlschwalbe, Goldregenpfeifer usw. war einer der Motoren für die Bonner Konvention und die EG-Vogelschutzrichtlinie 1979.

Hier die Liste der Vögel des Jahres:

Jahr Vogelart wissenschaftlicher Name
1970 Graureiher Ardea cinera
1971 Wanderfalke Falco peregrinus
1972 Steinkauz Athene noctua
1973 Eisvogel Alcedo atthis
1974 Mehlschwalbe Delichon urbica
1975 Goldregenpfeifer Pluvialis apricaria
1976 Wiedehopf Upupa epops
1977 Schleiereule Tyto alba
1978 Kranich Grus grus
1979 Rauchschwalbe Hirundo rustica
1980 Birkhuhn Tetrao tetrix
1981 Schwarzspecht Dryocopus martius
1982 Großer Brachvogel Numenius arquata
1983 Uferschwalbe Riparia riparia
1984 Weißstorch Ciconia ciconia
1985 Neuntöter Lanius collurio
1986 Saatkrähe Corvus frugilegus
1987 Braunkehlchen Saxicola rubetra
1988 Wendehals Jynx torquilla
1989 Teichrohrsänger Acrocephalus scirpaceus
1990 Pirol Oriolus oriolus
1991 Rebhuhn Perdix perdix
1992 Rotkehlchen Erithacus rubecula
1993 Flussregenpfeifer Charadrius  dubius
1994 Weißstorch Ciconia ciconia
1995 Nachtigall Luscinia megarhynchos
1996 Kiebitz Vanellus vanellus
1997 Buntspecht Dendrocopos major
1998 Feldlerche Alauda arvensis
1999 Goldammer Emberiza citrinella
2000 Rotmilan Milvus milvus
2001 Haubentaucher Podiceps cristatus
2002 Haussperling Passer domesticus
2003 Mauersegler Apus apus
2004 Zaunkönig Troglodytes troglodytes
2005 Uhu Bubo bubo
2006 Kleiber Sitta europaea
2007 Turmfalke Falco tinnunculus
2008 Kuckuck Cuculus canorus
2009 Der Eisvogel Alcedo atthis
2010 Der Kormoran Phalacrocorax carbo
2011 Der Gartenrotschwanz Phoenicurus phoenicurus
2012 Die Dohle Coloeus monedula
2013 Die Bekassine Gallinago gallinago
2014 Der Grünspecht Picus viridis
2015 Der Habicht Accipiter gentilis
2016 Der Stieglitz Carduelis carduelis
2017 Der Waldkauz Strix aluco
2018 Der Star Sturnus vulgaris
2019 Die Feldlerche Alauda arvensis
2020 Die Turteltaube Streptopelia turtur
2021 Das Rotkehlchen Erithacus rubecula


Das Rotkehlchen ist der Vogel des Jahres 2021


Das Rotkehlchen - das in alter Zeit der Überbringer und Symbol für die Sonne galt

Rotkehlchen gehören in Deutschland zu den beliebtesten Gartenvögeln. Vielen ist nicht bekannt, dass in Italien jedes Jahr zehntausende der Rotkehlchen für den Kochtopf gefangen werden?

Jedes Jahr zur Winterszeit, wenn ich die ersten Futterplätze in meinem Garten ausbringe, erscheint sehr schnell und heimlich das Rotkehlchen. Heuer waren auch immer zwei Exemplare von Erithacus rubecula im Garten anwesend, aber immer auf Distanz gedacht. Gerne besucht es die Futterstelle, einen etwas tieferen Teller den ich am Boden unter einer Konifere platziere, um sich seine Nahrung, wie Haferflocken und Nüsse zu holen. Seit einiger Zeit aber, stelle ich auch fest, dass es gelernt hat an den ausgehängten Futtersäulen sich seine Nahrung zu holen. Auch wenn das Rotkehlchen, für viele Menschen, anmutig erscheint und das Sinnbild für Melancholie gilt, man erlebt es auch anders. Es lebt einzelgängerisch, kommt mit seinen Artgenossen überhaupt nicht zurecht und duldet, außer der Brutzeit, kaum ein anderes Rotkehlchen in seiner Nähe. Vor ein paar Jahren, ich hatte zur Winterszeit wieder die Futterstellen ausgehängt und weil es richtig schneite und außerdem bitter kalt wurde, zwei Teller mit Weichfutter für die Bodenfresser ausgebracht. Eines Tages, ich beobachtete das muntere Treiben der Vögel an den Futterplätzen von meinem Wohnzimmerfenster aus, erschienen zwei Rotkehlchen und ließen sich an den beiden Futtertellern nieder. Misstrauisch beäugten sie sich und ließen sich gegenseitig nicht aus dem Auge. Das eine Rotkehlchen fraß am linken Teller an der linken Seite, das andere am rechten Teller am rechten Rand. Irgendwann geschah es, dass die Distanz unterschritten wurde und da war es auch schon passiert. Wie zwei Kamphähne gingen sie aufeinander los und pickten aufeinander ein. Der Frieden im Garten war vorüber. Da wurde mir dieses unsinnige Treiben zu viel, ging nach draußen und musste laut in die Hände klatschen, damit diese beiden Streithähne voneinander ließen. Ab da an, ich nehme es an, kamen die beiden immer alleine an den Futterplatz und sobald das zweite auftauchte, verließ das erste die Futterstelle.


Der Vogel des Jahres 2021 - das Rotkehlchen (Bild: Michael Schiller) Die Rotkehlchen unserer Breiten sind Teilzieher, d.h. dass ein Teil im Winter nach Frankreich, Spanien, Portugal oder nach Italien abzieht. Und dies kann mitten durch eine Brut gehen, der andere Teil verbleibt auch im strengen Winter bei uns im Brutgebiet. Rotkehlchen aus Nord- und Osteuropa kommen dagegen zum Überwintern in unsere Gefilde.
Das Rotkehlchen ist der Vogel des Jahres 2021 Bild: Michael Schiller


Ein anderes Mal bekam ich einen Anruf, indem man mir mitteilte, wie vertrauensvoll Rotkehlchen sind und wie sie wohl die Nähe des Menschen suchen. Ob dies so ist, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen, wohl aber brüten die Rotkehlchen gerne in der Nähe des Menschen, halt weil auch immer etwas essbares abfällt und die oft naturnah gehaltenen Gärten Nahrung ohne viel Mühe bereithalten. Nun, es ging darum, dass wenn immer eine Gartenbesitzerin ihre Terasse kehrte, oft zugleich ein Rotkehlchen zur Stelle war und hier und dort am Boden etwas aufpickte. Dazu muss man wissen, dass die Rorkehlchen in früherer Zeit Waldbewohner waren und sich gerne in der Nähe von Großrindern (z.B.Wisent) aufhielten. Wenn dann diese tonnenschweren Tiere, sprichwörtlich unter ihren Hufen den Staub aufwirbelten, flogen damit auch Ameisen, Spinnentiere, Fliegen, Käfer und andere Kerbtiere hoch und diese waren dann leichte Beute für Erithacus rubecula. Es ist einfach eine Genveranlagung, dass wohl ein Rotkehlchen auch dann nach Nahrung sucht, wenn Staub in die Luft gekehrt wird. Ob dies wohl das große Vertrauen zum Menschen ist, na ich weiß nicht.


Das Rotkehlchen ist seit jeher ein sehr beliebter Vogel, auch wegen seines etwas melancholischen Gesangs. In zahlreichen Sagen und Legenden findet man das Rotkehlchen wieder. Bei manchen Naturvölkern galt es als Überbringer und Symbol für die Sonne. Im Winter nimmt das Rotkehlchen gerne die ausgebrachten Futterstellen an (Bild: Naturfoto Frank Hecker)
Bild: Naturfoto Frank Hecker Im Winter ist das Rotkehlchen ein häufiger Gast an menschlichen Futterstellen


Das Rotkehlchen ist einer unser häufigsten Singvögel und ist den meisten Menschen wohl bekannt. In Bayern ist das Rotkehlchen ein sehr häufiger Brutvogel und nimmt unter den 20 häufigsten Arten den Platz sieben ein. Man nimmt einen Brutbestand von ca. 330.000 - 880.000 BP an. Die große Diskrepanz erklärt sich auch, dass strenge und schneereiche Winter sich negativ auf die Bestände der Rotkehlchen auswirken.
Typisch für das Rotkehlchen ist sein "Schnickern" aus schnell vorgetragenen "Tick"-Lauten vor allem auch in der Dämmerung. Nicht selten singen Rotkehlchen auch im Spätherbst und an sonnigen Wintertagen. Oft kann ich hören, dass das Rotkehlchen in der Dämmerung noch singt, wenn alle anderen Vögel, vielleicht bis auf die Amsel, schweigen.


Rotkehlchen haben sich an ein Leben in unseren Gärten angepasst (Bild: Gunther Zieger) In ganz Europa leben Rotkehlchen vor allem in Waldgebieten, aber auch in Parks und Gärten mit Baumbestand und Hecken. Rotkehlchen sind reviertreu und verteidigen heftig ihr Terrain.
Rotkehlchen haben sich an ein Leben in unseren Gärten angepasst Bild: Gunther Zieger


Typisch beim Rotkehlchen sind neben dem Orangerot von Brust, Kehle und Gesicht, immer eine aufrechte Haltung, sowie seine rundliche Gestalt, mit langen dünnen Beinen und die großen, schwarzen Augen. Jungvögel haben ein gräulich geflecktes Jugendkleid ohne Rot, aber einen einheitlichen olivbraunen Schwanz.

Das Rotkehlchen kommt in Laub-, Misch- und Nadelwäldern mit ausreichendem Unterholz, in Feldgehölzen, in Gärten und Parks vor. Das Rotkehlchen besiedelt, Europa, Nordafrika und Kleinasien, sowie die Mittelmeerinseln. Bei uns in Mitteleuropa kommt das Rotkehlchen das ganze Jahr über vor. Nur Teile der Art ziehen und dies kann sich auch durch eine Brut ziehen. D.h., dass aus einer Brut Vögel in den Mittelmeerraum ziehen, andere überwintern hier in unseren Gefilden. Dabei soll es sich um eine Genveranlagung handeln. Rotkehlchen ziehen dann über die kalte Jahreszeit nach Frankreich, Spanien und Portugal, sowie nach Italien. Hauptsächlich sind es Weibchen. Rotkehlchen aus dem Norden und Osten Europas kommen dagegen zum Überwintern zu uns nach Mitteleuropa.


In solchen frostharten Wintern, sollte man den Rotkehlchen Vogelfutterstellen als Nahrungsquelle zur Verfügung stellen. Eine mit Weichfutter und Haferflocken gefüllte Bodenstelle, die regengeschützt ist, wird gerne angenommen, um sich die Energie für die nächste kalte Nacht anzufuttern. Das Aufplustern seines Gefieders schützt das Rotkehlchen vor der bitteren Kälte (Bild: Fotonatur.de / Sönke Morsch)
Bild: Fotonatur.de / Sönke Morsch Überwinterer, der bei starkem Frost sein Gefieder aufplustert, hier bei uns in Mitteleuropa


Rotkehlchen markieren ihre Territoriumsgrenzen mit einem lauten Gesang (Gesang ist auch ein Mittel wahrgenommen und gehört zu werden) von exponierten und gut sichtbaren Singwarten aus. Im Frühling ist ihr Gesang am lautesten, weil sie dann ihr Territorium abstecken und einen Partner anlocken wollen. Während das Weibchen in der Brutzeit seltener singt, ist das Männchen hier reger und lauter, viel gesangsfreudiger. Hat sich nach dem Werben ein Paar gefunden, so hört das Männchen vorübergehend auch ganz auf zu singen.


Singendes Rotkehlchen-Männchen an seiner exponierten Singwarte (Bild: Fotonatur.de / Holger Duty) Rotkehlchen beginnen etwa eine Stunde vor dem Sonnenaufgang mit ihrem Lied und ist auch noch dem Sonnenunterganf zu hören.
275 ständig andere Motive sind beim Rotkehlchen nachgewiesen
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Singendes Rotkehlchen-Männchen an seiner exponierten Singwarte Bild: Fotonatur.de / Holger Duty


Ist einmal eine Partnerin erwählt, so stärkt das Männchen die Paarbildung durch ein Balzfüttern. Dabei bringt das Rotkehlchen-Männchen seiner Partnerin Leckerbissen, um die es mit zitternden Flügeln bettelt. Diesen Vorgang habe ich schon oft beobachten können.


Hier können Sie die Stimme des Rotkehlchen hören


Von warmen Frühlingstagen inspiriert, baut das Rotkehlchen-Weibchen das Nest. Das tiefmuldige Nest wird meist im dichten Bodenbewuchs oder zwischen Baumwurzeln versteckt oder in eine bodennahe Höhlung, oder einem Mauerloch, im Gerank einer Kletterpflanze, gebaut. Rotkehlchen nisten auch gerne in menschlicher Nähe, vielleicht weil das Nahrungsangebot für sie reichhaltiger ist, können Sie dem Rotkehlchen auch in Ihrem Garten helfen, indem sie eine Nischenbruthöhle dieser Vogelart zur Verfügung stellen. Dabei sollte dieser Nistkasten nicht höher als1,0 bis 1,5 Meter über dem Boden angebracht werden. Am geeignetsten ist es, wenn er in einem feuchteren, beschatteten Bereich hängt. Achten Sie aber darauf, dass der Nistkasten mit einem Marder- und Katzenschutz ausgestattet ist. (Kann man mit dieser Schutzvorrichtung bestellen). Die Fluglochweite sollte mit 30 x 50 mm ausgestattet sein.


Rotkehlchen nisten an den außergewöhnlichsten Stellen. Oft in Schuppen oder in Nistkästen, wenn diese als Halbhöhle sich eignen und an einer für das Rotkehlchen geschützten Stelle hängt. Rotkehlchen nisten gerne in der Nähe des Menschen an den außergewöhnlichsten Stellen (Bild: Naturfoto Frank Hecker)
Bild: Naturfoto Frank Hecker Rotkehlchen nisten gerne in Menschennähe an den ungewöhnlichsten Stellen


Das Weibchen baut alleine das Nest, nur selten wird sie vom Männchen dabei unterstützt. Die Brut findet in den Monaten April (Ende März) bis Juni statt. Rotkehlchen brüten zumeist zweimal. Aus Blättern, Gras und Pflanzenwurzeln besteht das Nest. Die Nestmulde wird mit Haaren ausgepolstert. Wenn das Weibchen seine Eier gelegt hat, bleibt es 12 bis 15 Tage lang im Nest. Dabei, wie im obigen Bild, ist sie kaum zu sehen und bleibt so gut versteckt. Während dieser Zeit wird das Weibchen vom Männchen gefüttert, mitunter in der Stunde mehrmals.


Wichtige Merkmale über das Rotkehlchen (Erithacus rubecula)

Länge: ca. 14 cm;
Flügelspannweite: ca. 20 - 22 cm.
Gewicht: ca. 16 - 22 g.
Brutzeit: im Westen Ende März bis Anfang April, im Norden bis Anfang Juni. Die Brutzeit geht bis Juli. Es werden 2 Jahresbruten hervorgebracht.
Gelegegröße: zumeist 3 - 6 rahmgelbene oder ganz schwach blaue, in bräunlichen, auch purpurnen Tönen schattiert. Glatte und glanzlose Eier.
Brutdauer: 12 - 15 Tage.
Nestlingszeit: 13 - 15 Tage.
Verhalten: Einzelgängerisch. Paarbildung nur während der Brutzeit.
Nahrung: Insekten, Würmer aber auch Beeren und Samen.
Lebenserwartung: In der Regel leben Rotkehlchen nur wenige, etwa 3 - 4 Jahre. Der älteste bekannte Vogel wurde allerdings 13 Jahre alt.
Verwandtschaft: Blaukehlchen, aber auch die Nachtigall und der Sprosser zählen zur engen Verwandtschaft des Rotkehlchens.
Bedrohung: In Deutschland wird das Rotkehlchen als nicht gefährdet eingestuft.
Bestand: Für Deutschland wird ein Bestand von von 2,4 Millionen bis 4 Millionen BP angenommen.



Rotkehlchen-Gelege mit vier rahmgelben, bräunlich schattierten Eiern (Bild: Fotonatur.de / Holger Duty) Das Rotkehlchen-Gelege besteht zumeist aus 3 -6 Eiern. Die Eiablage erfolgt im Morgengrauen. Das allein brütende Weibchen wird während dieser Zeit vom Männchen mit Nahrung versorgt. In den Brutpausen, die nicht länger als drei bis fünf Minuten andauern, wird es außerhalb des Nestes ebenso vom Männchen gefüttert.
Rotkehlchen-Gelege mit vier rahmgelben, bräunlich schattierten Eiern Bild: Fotonatur.de / Holger Duty


Beide Elterntiere teilen sich die Aufgabe der Versorgung ihres Nachwuchses mit Nahrung. Dies ist eine immense Aufgabe für die Alttiere, denn manchmal scheint es so, als ob sie die Jungtiere nicht satt bekommen, denn die sind immer hungrig. So um die drei Wochen kümmern sich die Alttiere um ihre Jungen. Danach können die Jungen fliegen und leben ab dann ihr eigenes Leben. Noch vor dem Einsetzen des Winters stecken sie ihre eigenen Territorien ab.


Als Unterlage für das tiefmuldige Napfnest aus Moos, Gras und alten Blättern, dient nicht selten ein altes Nest einer anderen Vogelart. Der stets hungrige Nachwuchs (Bild: Naturfoto Frank Hecker)
Bild: Naturfoto Frank Hecker Der Nachwuchs der Rotkehlchen ist stets hungrig


Rotkehlchen, die eine sehr frühe erste Brut hatten, haben mehr Aussicht auf eine zweite Brut. Nicht selten sitzen Rotkehlchen-Weibchen schon auf einem zweiten Gelege, während sich das Männchen um die erste Brut kümmert, die allerdings schon flügge sind.


Wissenswertes & Interessantes

Den Herbst hindurch singen die Jungvögel und die Erwachsenen beider Geschlechter den so genannten "Herbstgesang", der stiller und melancholischer klingt und das Winter-Territorium abstecken soll.
Im Herbst verzehrt das Rotkehlchen Beeren und im Winter besucht es häufig Futterstellen. Einmal im Winter im eigenen Garten an der Futterstelle, kommt das Rotkelchen jeden Tag wieder zurück.
Die Überwinterer sind bei großem Schneefall und starkem Frost fast völlig auf die Fütterung durch den Menschen angewiesen. Heuer konnte ich im Garten erleben, dass zwei Rotkehlchen zusammen aus einem Teller Weichfutter zu sich nahmen. Höchstwahrscheinlich war die Paarbildung bereits vollzogen.
Fast drei Viertel aller jungen Rotkehlchen sterben vor Vollendung ihren ersten Lebensjahres, entweder von Prädatoren erbeutet, oder weil sie unfähig sind, für sich selbst zu sorgen. Zehn Prozent der älteren Rotkehlchen sterben beim Versuch, ihr Territorium zu verteidigen.
In England nannte man die Postboten wegen ihrer roten Uniformen "Rotkehlchen". Rotkehlchen wurden mit Weihnachtskarten in Verbindung gebracht, weil die Post-"Rotkehlchen" sie brachten.
Hauptsächlich in Großbritannien und Mitteleuropa leben die Rotkehlchen in einer engen Gemeinschaft mit dem Menschen. Anderswo in Europa werden sie abgeschossen, als Sport, oder um sie zu essen.
Neben dem Blaukehlchen gehören auch die Nachtigall und der Sprosser (nordöstliche Schwesterart der Nachtigall) zur engen Verwandtschaft des Rotkehlchens.
Bei der Nahrungssuche am Boden zucken Rotkehlchen häufig mit Flügeln und Schwanz. Oft sitzen Rotkehlchen auf einer niedrigen Warte und stoßen hinunter, wenn sie ein geeignetes Beutetier - Insekten und deren Larven, oder Spinnentiere, Würmer oder Schnecken - erspäht haben.
1957 brachte die Deutsche Bundespost eine Briefmarke, für den Naturschutz, heraus, mit dem Abbild eines Rotkehlchens.
Bereits 1992 war das Rotkehlchen der "Vogel des Jahres".



Ist in naturnahen Gärten auch ausreichend Unterholz vorhanden, so siedeln sie auch hier (Bild: Michael Schiller)  Das Rotkehlchen ist etwa so groß wie ein Sperling. Es ist ein hellbrauner Vogel, mit einem fast hellen, weißem Bauch. Vor allem aber, die leuchtende orangerote Kehle ist charakteristisch.
Rotkehlchen besiedeln auch unsere Gärten, wenn ausreichend Unterholz vorhanden ist Bild: Michael Schiller


Alle Vögel singen vormehmlich, um ihr Territoium zu markieren - hier ist mein Platz, mein Nest, mein Weibchen, meine Brut - oder um einen Partner anzulocken. Rotkehlchen singen im Frühjahr am lautesten und am längsten, wenn sie auf der Partnersuche sich befinden. Der frühmorgendliche Gesang steht zumeist mit dem Abstecken des eigenen Territoriums in Verbindung. Schon im Februar kann man das Rotkehlchen mit seinem eindringlichen Frühlingslied hören. Dabei haben die Tonreihen fast einen feierlichen Klangcharakter.


Zur Nahrungssuche bewegt sich das Rotkehlchen in kleinen Sprüngen auf der Erde vorwärts. Kurze Schritte werden nur selten gemacht. Tierisches Eiweiß ist die Nahrung während der Brutzeit (Bild: Michael Schiller)
Bild: Michael Schiller Während der Brutzeit besteht ist die Nahrung fast ausnahmslos aus tierischem Eiweiß.


Das Rotkehlchen ist eine der wenigen Arten, deren Bestandssituation in Europa gegenwärtig noch als stabil angesehen wird. Allein in Mitteleuropa schätzt man seinen Brutpaar-Bestand auf rund 10 Millionen BP. Der Brutpaar-Bestand in Deutschland wird mit 2,4 bis 4 Millionen angenommen. Trotzdem fordert die Witterung im Winter (von den "Daheimbleibern"), große Verluste, der hier bei normalem Winter mit 50 Prozent des Bestandes angenommen wird. Bei strengen Wintern, mit langanhaltenden Frostperioden und starkem Schneefall muss mit einem Verlust der Bestände von 80 Prozent gerechnet werden. Weiterhin fordern Nestfeinde einen Blutzoll, sowie die Ausräumung der offenen Feldflur, teilweise existiert doch bei uns eine sogenannte Agrarwüste, sowie die Intensivierung der Landwirtschaft. Erheblich einwirkend auf die Bestände der Rotkehlchen, die in Überwinterungsgebiete abziehen, ist die durch nichts zu rechtfertigende und legitemierte Jagd in Südeuropa.


Trotz der hohen Bestandszahlen benötigt das Rotkehlchen unseren Schutz (Bild: Michael Schiller) Appell an alle Naturfreunde: Füttern Sie zur Winterszeit auch die Bodenfresser, wie das Rotkehlchen mit Weichfutter, z.B. Haferflocken, Mehlwürmern, Rotkehlchenfutter und Rosinen.
Trotz der hohen Bestandszahlen benötigt das Rotkehlchen unseren Schutz Bild: Michael Schiller


Auffallend ist, dass der Bruterfolg in Heckenlebensräumen sehr gering ist. Das hängt damit zusammen, dass Prädatoren häufig und systematisch lineare Strukturen nach Nestern absuchen und diese in Hecken viel leichter finden als im Wald. Auch spielen der Straßen- und der Bahnverkehr eine Rolle bei Verlusten von Rotkehlchen, auch gerade in der Brutzeit.

Sollten Sie die gepriesenen Halbhöhlen als Bruthöhle diesen Vögeln zur Verfügung stehen, so bestellen Sie sich Halbhöhlen mit einem Elster- und eichelhähersicheren Brutraumeinsatz. In diesem können diese Prädatoren nicht in den Brutinnenraum mit dem Schnabel gelangen, da im Brutinnenraum ein Holzeinsatz dies verhindert. Das Nest befindet sich dahinter. Lieber habe ich hier eine Nischenbrüterhöhle die zwei Einfluglöcher aufweist. Rotkehlchen bevorzugen diesen Höhlentyp dann, wenn diese Nisthöhle nur einen bis 1,5 Meter über dem Boden angebracht ist. Durch die integrierte Schutzvorrichtung im Brutinnenraum, gegen Hauskatze und Marder, ist der Bruterfolg hoch. Auch kann eine sogenannte Zaunkönigkugel, in niedriger Höhe angebracht, einen Bruterfolg bringen.


Eine mit Weichfutter und Haferflocken gefüllte Vogelfutterstelle, geschützt unter einem Baum, hilft den Rotkehlchen sehr, sich mit der Energie zu versorgen, um kalte Winternächte gut zu überstehen. Strenge Winter fordern hohe Verluste unter den Rotkehlchen (Bild: Michael Schiller)
Bild: Michael Schiller Der Winter bringt große Gefahren, für das Rotkehlchen, mit sich.


Wer dem Rotkehlchen helfen will, kann dies ganz einfach im eigenen Garten tun. Pflanzen Sie heimische Bäume, Sträucher und Stauden an, damit neben vielen anderen Vogelarten auch das Rotkehlchen ausreichend Nahrung findet. Die Bäume und die Bodenvegetation sollten nicht total "aufgeräumt" sein, denn diese helfen neben dem Zaunkönig auch dem "Vogel des Jahres 2021". Ein Reisighaufen locker aufgeschichtet in einer etwas wilden Ecke, der dann auch noch von Stauden und Wildkräutern umgeben ist, lockt sicher viele Insekten an und damit die Nahrungsquelle für das Rotkehlchen.


In Bayern ist das Rotkehlchen über das gesamte Landesgebiet gut vertreten (Bild: Gunther Zieger) Eine Art wilde Ecke im Garten, reicht dem Rotkehlchen schon, Deckung vor Feinden zu finden und einen gedeckten Nahrungstisch vorzufinden.
In Bayern ist das Rotkehlchen über das gesamte Landesgebiet gut vertreten Bild: Gunther Zieger


In Bayern ist das Rotkehlchen flächendeckend verbreitet, mit einem Bestand von 330.000 bis 880.000 BP. In Österreich und der Schweiz wird das Rotkehlchen in der dortigen Roten Liste als nicht gefährdet geführt. Der Brutbestand in Österreich wird auf bis zu 1,4 Millionen Brutpaare angenommen, der in der Schweiz wird auf bis 650.000 BP geschätzt.


Eine Abnahme der Bestandszahlen in manchen Landschaften als Folge von Eingriffen in den Naturraum ist anzunehmen. Neue Wohnbaugebiete sollten deshalb auch Naturräume bieten und nicht komplett versiegelt sein. Jeder kann hier mithelfen. Vielfältige Strukturen der Offenlandschaft wären auch für das Rotkehlchen wichtig (Bild: Michael Schiller)
Bild: Michael Schiller Strukturen in der Feldflur würden den Rotkehlchen sehr helfen


Immer wieder werde ich gefragt, was kann ich denn als einzelner tun um zu helfen? Jeder kann mithelfen auch dem Rotkehlchen seinen Platz zu geben. Wenn jeder, seine Nachbarn links und rechts der Wohnstraße bittet mitzutun, ist schon sehr viel erreicht.
Denn, trotz des ungefährdeten Status auch in Bayern mit seinen stabilen Bestandszahlen (die Winterhilfe und Nisthilfe habe ich beschrieben), kann man dem Rotkehlchen helfen, von dieser Hilfe es tatsächlich profitieren kann. Unbedingt notwendig wäre eine reich strukturierte gehölz- und heckenreiche Kulturlandschaft. Die ausgeräumte Offenlandschaft muss der Vergangenheit an gehören. Fordern Sie dies doch einmal in Ihrer Kommune ein. Das Belassen von Falllaub und Unterholz, sollten in den Wirtschaftswäldern verbleiben, ebenso wie in Ihren Gärten.


Der wissenschaftliche Beiname "rubecula" bedeutet "Rötchen" (Bild: Michael Schiller) Der heutige wissenschaftliche Gattungsname "Erithacus" ist ein alter nicht näher bestimmender Vogelname.
Der wissenschaftliche Beiname "rubecula" bedeutet "Rötchen". Bild: Michael Schiller


Die große Anzahl, an die sechzig, deutscher Namen für das Rotkehlchen, wie Rotkehliger Sänger, Waldrötlein, oder Baköfelchen, beweist den großen Bekanntheitswert und die Volkstümlichkeit des Rotkehlchens.


Ordnung Familie Gattung Art
Sperlingsvögel Fliegenschnäpper Erithacus Rotkehlchen


 
In England, wurde das Rotkehlchen von den Bürgern zum beliebtesten Vogel gewählt. Das anmutige Rotkehlchen ist für viele Menschen wohl die bekannteste Vogelart (Bild: Michael Schiller)
Bild: Michael Schiller Für viele Menschen ist das anmutige Rotkehlchen die wohl bekannteste Vogelart


Vilelen Dank an die Naturfotografen, Herrn Michael Schiller, Herrn Gunther Zieger, Herrn Frank Hecker, Naturfoto und Herrn Sönke Morsch und Holger Duty, Fotonatur für ihre Aufnahmen.


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- letzte Aktualisierung: Freitag, 02. April 2021 -
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