Der Raufußkauz - der
Nadelwaldbewohner
Der Raufußkauz ähnelt im Habitus dem Steinkauz, hat aber einen
dickeren, nicht abgeflachten Kopf, womit er eher an den Waldkauz
erinnert. Besonders auffällig dabei ist der herzförmige Schleier mit
den gelben Augen. Die Gefiederoberseite ist braun mit weißen Flecken,
die weiße Unterseite ist braun gefleckt. Beide Geschlechter sind
gleich gefärbt. Die Jungvögel sind größtenteils braun gefärbt mit
vereinzelten weißen Flecken.
Der Name Raufußkauz kommt wie bei den Raufußhühnern von den dicht
befiederten Zehen. Die Beine sind aber so kurz, dass die Zehen meist
im lockeren Bauchgefieder verborgen sind.
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Raufußkauz - Altvogel schaut aus der
Bruthöhle |
Die Verbreitung des Raufußkauzes, der ein typischer Bewohner des
Nadelwaldes ist, umfasst in einem breiten Gürtel von Nordeuropa quer
durch das nördliche Eurasien bis nach Ostsibirien, quer durch das
nördliche Nordamerika von Alaska bis nach Labrador und Neufundland.
Die Brutvorkommen in Mittel- und Südeuropa befinden sich
hauptsächlich in Gebirgsgegenden mit ausgedehntem Waldbestand, aber
auch in großen Forsten des norddeutschen Tieflandes.
Es wird vermutet, dass die mitteleuropäische Population durch
Zuwanderer aus der skandinavischen Population ergänzt und
aufgefrischt wird.
Als ausgesprochener Höhlenbrüter ist der Raufußkauz normalerweise
auf Altholzbestände, meist von Rotbuchen oder Kiefern mit
Schwarzspechthöhlen angewiesen. In der Nähe benötigt er
deckungsreiche Nadelholzbestände zur Tagesruhe sowie offene Flächen,
wie Waldwiesen, Lichtungen und Kahlschlagflächen zum Jagen.
Die Paarungszeit des Raufußkauzes beginnt bereits im Winter, was
sich mit weithin hörbaren Balzrufen zur Absteckung des
Brutterritoriums ausdrückt. Im April oder Mai suchen sie eine
Baumhöhle, oft die verlassene Nisthöhle eines Schwarzspechts, oder
auch einen Nistkasten auf, wo das Weibchen ihre 4-6 weißen Eier
legt. Diese werden von ihm 28-29 Tage lang bebrütet. Die Jungvögel
verlassen das Nest nach 29-38 Tagen und werden nach weiteren 5-6
Wochen von den Altvögeln unabhängig.
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Merkmale:
Länge: 24 - 26 cm;
Flügelspannweite: 52 - 58 cm;
Gewicht: 90 - 210 g;
Brutzeit: im Süden Mitte April, gelegentlich früher,
weiter nördlich Juni;
Anzahl der Bruten: 1 mitunter auch 2;
Gelegegröße: 4 - 6;
Brutdauer: 28 - 29 Tage;
Nestlingszeit: 29 - 38 Tage (Ausfliegen) |
In guten Mäusejahren überlassen manche Weibchen die ausgeflogenen
Jungen der ersten Brut der Obhut des Männchens, während sie selbst
abwandern und andernorts mit einem anderen Männchen eine Zweitbrut
unternehmen. Das allein brütende Weibchen wird mit Beutetieren
versorgt, die es vom Männchen am Höhleneingang in Empfang nimmt.
Nach wenigen Tagen auf dem Gelege sitzt das Weibchen so fest, dass
es nicht mehr auf Kratzgeräusche am Brutbaum reagiert, die es vorher
augenblicklich dazu veranlasst hätten, aus der Höhle zu blicken. Bis
auf das Hinauswerfen der Eierschalenreste wird die Bruthöhle während
der Jungenaufzucht nicht gereinigt, so dass mit der Zeit ein
stinkendes "Kloakenmilieu" aus Kot und Beuteresten entsteht.
Die Jungen unternehmen nach der Selbständigkeit
Zerstreuungsbewegungen, brüten aber vielfach in Geburtsnähe. Viele
Männchen sind ganzjährig reviertreu, Weibchen und Jungvögel führen
eher ein Nomadenleben. Manche ausgewachsene Weibchen unternehmen
Wanderungen von 50 km bis zu mehreren 100 km. Die meisten in den
nördlichen Breiten Skandinaviens brütenden Raufußkäuze führen bei
Nahrungsmangel invasionsartige Wanderungen nach Südskandinavien und
bis nach Mitteleuropa durch.
Der Raufußkauz erbeutet vor allem die Wühlmausarten Rötel- und
Erdmaus sowie die Waldmaus und fängt daneben auch Vögel. In
mäusearmen Jahren weicht er mehr auf Spitzmäuse (Waldspitzmaus) aus.
Interessant ist das regelmäßige Vorkommen der Haselmaus in den
Beutelisten des Raufußkauzes, was bei keiner anderen Eule oder
Greifvogel der Fall ist.
Situation in Bayern:
Der Raufußkauz ist in Bayern regional verbreitet und besiedelt
größere Flächen in waldreichen Gebieten Nordbayerns, wie in
Unterfranken und vor allem in Ostbayern von Oberfranken bis zur
Donau, sowie die Alpen. Der Raufußkauz ist in Bayern seltener
Brutvogel, von 1975 bis 1999 ist keine Bestandsveränderung von über
20% zu erkennen.
Der Raufußkauz steht in Bayern auf der Vorwarnliste, teilweise gilt
er als gefährdet. Der Brutbestand ist abhängig von Hilfsmaßnahmen
und aktuelle sowie geplante Eingriffe des Menschen haben merkliche
Bestandsreduktion zur Folge. Hauptursache der Gefährdung ist der
Verlust von Brutmöglichkeiten durch Windwürfe und intensive
Waldbewirtschaftung. Hohle Bäume werden gefällt, Altholzbestände
eingeschlagen und die für Schwarzspechthöhlen besonders geeigneten
Buchen nach kurzer Umtriebszeit geerntet. Straßenbau führt zur
Verinselung der Standorte durch Habitatszersplitterung, was sich
langfristig negativ auf die Vitalität der Populationen auswirkt. Für
den Bestand ist der Schutz geeigneter Höhlenbäume entscheidend. Wenn
es gelingt, das Angebot an Schwarzspechthöhlen durch naturnahe
Waldbewirtschaftung zu steigern, kann sich der Bestand weiter
stabilisieren und auch außerhalb der Alpen ohne Nistkastenmaßnahmen
halten.
Brutbestand in Bayern: Ca. 400 - 500 BP.
Hier können Sie die Stimme des
Raufußkauzes hören
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