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Themenbereiche rund um die Streuobstwiese

Lebensraum Totholz
 
Totholzbaum
Es gibt nur wenige andere Lebensräume mit einer vergleichbaren, geradezu unerschöpflichen strukturellen Vielfalt wie der von Totholz. Stehend oder liegend, auf einer Streuobstwiese oder im Wald. Hier wächst neues Leben aus einem Totholzbaum. Moose haben hier einen neuen Lebensraum gefunden in ihnen wohnen Käfer und andere Insekten. Etwa 1500 Pilzarten können sich auf dem Totholz ansiedeln.

Lange bevor die Bäume einen natürlichen Alterstod sterben, werden diese in unseren Wirtschaftswäldern eingeschlagen, oder es wurde in unseren Wäldern "aufgeräumt". Dies bezieht sich auch auf die vielen Streuobstwiesen die in der zweiten Hälfte des 20.Jhd. verschwunden sind.
Diese abgestorbenen Bäume oder Äste die dem Ökosystem Wald entnommen wurden, fehlen so vielen Tier- und Pflanzenarten, sowie Pilzen als Nahrungsgrundlage.
Anders als das Feuer, das "nur" eine potentielle Gefahrenquelle für das Waldökosystem darstellt, hat die Entnahme von Totholz einen unmittelbaren und sofortigen Einfluss.
Totholz ist Nahrung, Unterschlupf, Brut- und Wohnhöhle, Ansitz und Singwarte, Trommelbaum und Orientierungsmarke. Es erhöht die Strukturvielfalt, schützt vor Erosion und leistet einen wichtigen Beitrag zur Humusanreicherung des Bodens.

Dorniger Stachelbart
Die Holz bewohnenden Pilze hier ein Dorniger Stachelbart (Creolophus cirratus) nehmen jene Aufgaben wahr, die ihnen von der Natur ureigentlich zugewiesen worden sind. Sie vereinen sich zum größten und genialsten Recycling-Unternehmen, das es je gab. In einer Kette hochkomplizierter biochemischer Zersetzungsprozesse wandeln sie tote organische Materie in Nährstoffe für künftige Tier- und Pflanzengenerationen um. Leider haben es die Stachelbärte sehr schwer. Der Dornige Stachelbart bevorzugt die Rotbuche. Nur zögerlich bleiben in unseren Wäldern solche Bäume liegen, werden nicht vorzeitig eingeschlagen. Die Gattung Creolophus besteht weltweit nur aus dieser einen Art.

Als Totholz wird stehendes oder liegendes abgestorbenes Holz bezeichnet. Das können ein einzelner Ast, ein abgestorbener Baum oder alle Übergänge dazwischen sein.
Wenn man sich mit dem Thema ein wenig beschäftigt, wird man irgendwann feststellen, wie paradox der Begriff "Totholz" eigentlich ist. Denn auch "lebendes" Holz besteht zu einem Großteil aus bereits abgestorbenen, also toten Zellen.
Nach dem Absterben des Holzes beginnt eine Besiedelung mit Tausenden von verschiedenen Arten.
Mit Milben und Bärtierchen dicht besiedelte Moospolster und bizarre Bartflechten verwandeln einen abgestorbenen Baum in ein märchenhaftes Wesen. Jeder Zentimeter des Holzes wird nach und nach von hauchfeinen Pilzhyphen durchwuchert, die trotz ihrer Zartheit von den feinen Stechrüsseln der Rindenwanzen besaugt werden.
 
Zunderschwamm
Der Echte Zunderschwamm (Fomes fomentarius) kommt ganzjährig in naturnahen Laubwäldern vor, hier im Steigerwald, an stehenden oder liegenden Rotbuchen, Birken und anderen Laubbäumen.

Eine Erzwespe befreit sich mühsam aus der leergefressenen Hülle eines Borkenkäfers, um sofort von einer Springspinne erbeutet zu werden, die wiederum einem hungrigen Kleiber ins Auge sticht. Die Larve der Riesenholzwespe weidet unermüdlich den Pilzrasen in ihren Fraßgängen ab, mit dessen Sporen das Holz bei der Eiablage vom Weibchen angeimpft wurde. Drei Zentimeter über ihr ist die Holzschlupfwespe dabei, ihren Legestachel zielsicher durch das massive Holz zu treiben, um ihr Ei in der ahnungslosen Riesenholzwespenlarve abzulegen.

In kleinen, wassergefüllten Mulmhöhlen filtrieren Schwebfliegenlarven Bakterien und Pilze. Mehr als 1400 Käferarten und ihre Larven besiedeln jede nur denkbare ökologische Nische im Holz. Man schätzt, dass 66% der auf Totholz angewiesenen Käfer auf der "Roten Liste" stehen. Arten wie: Blutroter Schnellkäfer, Ameisenbuntkäfer, Nashornkäfer, Rosenkäfer, Eichenwidderbock, Pinselkäfer, Hirschkäfer, Eremit und Scharlachroter Feuerkäfer kommen hier vor. Zahlreiche Mücken- und Fliegenlarven leben als Müllabfuhr von Kot und Mulm in den Fraßgängen anderer Insekten.

Baumpilz

Wildbienen legen ihre mit Nektar und Blütenstaub gefüllten Brutzellen in verlassenen Käferfraßgängen an, wo sie von Goldwespen oder Buntkäfern parasitiert werden. Die Rossameise nagt mit ihren kräftigen Kiefern ihr bis zu zehn Meter hohes Nestsystem in das Holz und löst damit begeisterte Besuche des Schwarzspechts aus. Spechthöhlen beherbergen - abgesehen von ihren ursprünglichen Besitzern - eine Reihe von Höhlenbrütern wie Meisen, Sperlinge, Kleiber, Dohlen, Stare und Hohltauben.
Waldkauz, Steinkauz, Rauhfußkauz und Fledermäuse starten von dort ihre Beutezüge. Bilche, Baummarder und Mäuse suchen dort Unterschlupf. Unter in Stammhöhlen erbauten Hornissennestern entstehen nährstoffreiche Abfallhaufen aus Beuteresten, Kot, abgestorbenen Larven, Puppen und Insekten. Dort haben sich Spezialisten wie der Hornissenkäfer angesiedelt.
Mulmhöhlen in alten Eichen beherbergen jahrhundertelang die Creme de la Creme unter den Totholzbewohnern. Wohin man blickt, überall stößt man auf Leben, auf eine schier grenzenlose Artenfülle. Totholz ist Leben pur, Leben in überschäumender Fülle. Totholz ist eine Welt der Wunder.

Leben

Jeder kann hier mithelfen - einen Lebensraum für Tiere und andere zu schaffen - legen Sie doch auf Ihrer Streuobstwiese oder in Ihrem Garten einen Totholzhaufen an, z.B. durch Schnittgut. Dies wäre schon ein großer Beitrag für Umwelt- und Naturschutz.

Lebensraum

Die FARBIG unterlegten TIERNAMEN haben eigene Seiten. Bitte anklicken!


An dieser Stelle meinen Dank an die Naturfotografen: Thomas Langhirt, Thomas Stephan, Max Dorsch, Rainer Jahn, H.Zinnecker und H.Bodner. Ohne die kostenlose Bereitstellung ihrer Bilder wäre eine solche Seite kaum machbar. Herzlichen Dank!




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- letzte Aktualisierung: Sonntag, 30. Januar 2011 -
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