Wiesenweihe
Greifvögel
Streuobst
Biotoppflege
Ornithologie
Insekten
Sie sind hier: Aktionen

Protestaktionen
Letzte Meldung


         Die Dohle - Vogel des Jahres 2012 - eine ganz schlaue


Über die Wahl der Dohle zum Vogel des Jahres 2012 freue ich mich ganz besonders, nicht nur weil es eine gute Wahl ist, sondern auch weil es wohl diese Vogelart war, die mich als Jugendlicher zum aktiven Naturschützer werden ließ.
 
Die Dohle ist der Vogel des Jahres 2012 (Bildreferent: Raimund Linke)

Die Dohle ist ein schlauer Vogel, der in Schwärmen lebt und seine Schlafplätze häufig mit Saatkrähen teilt. Von diesen unterscheidet die Dohle sich durch ihre hellen Rufe. Sie hat sich an die Nähe des Menschen angepasst, bezieht von ihm soviel Nahrung wie möglich und nistet häufig in alten Gebäuden.

Ganz im Gegensatz zu ihrem gelegentlich noch heute bestehenden Ruf als Künder von Pest und anderen gefährlichen Krankheiten und als "Totenvogel" können Dohlen bei Handaufzucht überaus vertraute Hausgenossen werden und erstaunliche Fähigkeiten in der Nachahmung menschlicher Stimmen und Geräusche zeigen.

Die Dohle ist bekannt für ihre "Intelligenz"

 

Lange her!

Ein aus dem Nest gefallener Jungvogel war es, der mir damals gebracht wurde, den ich aufpäppelte und mir zum besten Freund wurde. Der mich später jeden Tag von der Schule abholte, der einmal am Schulfenster solange gegen das Fenster pickte, bis ich herauskam und ihn nach hause brachte. Solche Besuche verbat sich natürlich die Lehrerin und so musste "Jakob" so lange in seinem großen Käfig bleiben, bis ich aus dem Hause war. Ich erinnere mich, wie er mir einmal seine Freundin vorstellen wollte, (er blieb immer länger weg) die natürlich sehr auf Distanz ging und Jakob nicht verstand, warum sie sich so zierte.

Besonders gern nisten Dohlen in höheren Gebäuden und Mauernischen, Dachstühlen oder Kaminen. Ruinen oder alte Fabrikgebäude ziehen  sie geradezu magisch an. Aber auch in Schächten und überdachten Nischen moderner Gebäude finden die anpassungsfähigen Dohlen geeignete Brutplätze. Unterhalb einer Gebäudehöhe von zehn Metern siedeln sie sich nur selten an, denn hoch über dem Boden ist der Nachwuchs vor Katzen geschützt.

Alte Gemäuer, Türme und Mauernischen ziehen diesen Vogel magisch an (Bildreferent: Raimund Linke)
 

Alte Gebäude ziehen sie wie magisch an

Wir müssen etwas tun!

Mir ist diese Vogelart sehr ans Herz gewachsen und beobachte sie bei mir in meiner Heimatstadt sehr interessiert. Zwar haben sich die Dohlen an das Leben in der Stadt angepasst, doch immer mehr schwinden ihre Nistmöglichkeiten. Gebäudesanierungen mit glatten Fassaden, Gebäudeabrisse und vor allem vergitterte alte Türme und mittelalterliche Gebäude machen es unserer Dohle sehr schwer, geeignete Nistplätze zu finden. Diese Vergitterungen werden zu oft ohne viel darüber nachzudenken, weil man der Taubenplage Herr werden will, an der Außenseite angebracht. Dies bedeutet, dass man nicht nur die Dohle aussperrt, sondern auch Falke und Eule. Auch in meiner Heimatstadt war das so, als ich darauf aufmerksam machte, wurde dies natürlich sofort zurückgebaut und das Gitter an der Innenseite angebracht.

Sie benötigt die Grünflächen diese dürfen nicht versiegelt werden (Bildreferent: Michael Schiller)

Vielerorts werden Grünflächen versiegelt, damit verschwinden auch unzählige Insekten. Besonders die großen Insekten sind während der Brutzeit für alte und junge Dohlen eine wichtige proteinhaltige Nahrung.

Dohle auf der Suche nach Nahrung - Insekten, Würmer und Schnecken am liebsten

 

Der Lebensraum

Heute ist die Dohle ein Nachbar des Menschen. Ursprünglich brütete die Art in lichtem Laub- und Mischwald mit alten Bäumen und Höhlen (vor allem vom Schwarzspecht). Heute nisten sie bevorzugt in alten Gebäuden wie Burgen, Kirchen, Schlössern oder Ruinen. Aber auch in Feldgehölzen oder Parks mit alten Bäumen. Wegen ihrer Vorliebe für Kirchtürme nannte man sie früher auch des Pastors schwarze Taube. Dieses enge "Zusammenleben" mit dem Menschen sichert der Dohle auch immer genügend Nahrung, etwas fällt immer ab. Dies zeigt auch eine gewisse Tier-Intelligenz. Nicht von ungefähr gehören alle Rabenvögel zu den intelligentesten Vögeln.

Die Dohle unterscheidet sich von der Saatkrähe durch ihren grauen Hinterkopf und die hellblaue Iris.

In Bayern ist die Dohle bereits eine Art der Vorwarnliste (Bildreferent: Raimund Linke)
 

In Deutschland brüten nach derzeitigem Stand rund 100.000 Brutpaare.

Das Verbreitungsgebiet der Dohle erstreckt sich von Marokko und Algerien über fast ganz Europa. Sie fehlt nur in einigen Gebieten Skandinaviens, Nordfinnlands und Nordrussland. Nach Osten zu reicht das Areal bis Westsibirien, zum Himalaya und nach Sinkiang.

Das Verbreitungsgebiet der Dohle

In Deutschland fühlt sich die Dohle vor allem in tieferen Lagen wohl. Die höchsten Brutplätze liegen bis 1000 Metern auf der Schwäbischen Alb, im Schwarzwald sowie im Allgäu.

Das weite Verbreitungsgebiet der Dohle

 

Die meisten Dohlen sind Standvögel, viele nord- und nordosteuropäische Populationen ziehen jedoch im Winter oft zusammen mit Saatkrähen nach Südwesten. In den zum Teil riesigen Krähenschwärmen fallen sie vor allem durch die geringere Größe (die Dohle ist die kleinste Rabenvogelart unserer Breiten) und schnelleren Flügelschläge sowie ihre typischen Rufe auf. Viele Dohlen überwintern in Mitteleuropa und Frankreich, manche gelangen bis nach Spanien.

Oberseite:
Das Gefieder ist auf der Oberseite beim jungen und erwachsenen Vogel schwarz

Hinterkopf:
Er ist dunkelgrau beim Jungvogel, heller beim erwachsenen Vogel.

Unterseite:
Die Unterseite hat ein dunkelgraues bis schwarzes Gefieder beim Jungvogel und wird etwas heller bei der erwachsenen Dohle.

Eine junge Dohle war es, die mich zum Umweltschutz brachte (Bildreferent: Michael Schiller)
 

Die Dohle zählt für mich zu den schlauesten Vögel unserer Breiten

Wie kann man die Dohle von anderen Rabenvogelarten unterscheiden?

Die Dohle mag auf den ersten Blick einer Saatkrähe, Rabenkrähe oder einem Kolkraben (größter Singvogel der Welt) ähnlich sehen. Sie ist jedoch wesentlich kleiner und hat einen auffälligen grauen Nacken und Hinterkopf. Untypisch für Rabenvögel sind ihre hellblauen Augen. Sie werden grauer, je älter die Vögel werden.
Am besten hält man Ausschau nach Schwärmen, die über 200 Vögel umfassen können. Die Dohle hat einen ungleichmäßigen Flug und schnelle Flügelschläge. Sie fliegt auch gewandter als eine Krähe.
Man kann unsere Dohle auch an ihren vielen verschiedenen Rufen, beispielsweise einem melodischen "kjak" oder rauhen "kjarr" erkennen. Außerdem ist die Dohle ein guter Imitator und ahmt gerne andere Stimmen und Geräusche nach.

Hier können Sie die Stimme der Dohle hören

Auch heute noch ist die Dohle bei vielen Menschen nicht gerne gesehen (Bildreferent: Maximilian Dorsch)

Bei der Vogeljagd wurden früher Äste mit Pech bestrichen. Blieben die Vögel daran kleben, bezeichnete man sie als "Pechvögel". Zum "Unglücksraben" war es dann aufgrund der schwarzen Farbe von Pech und Rabenvogel kein weiter Weg. Doch die Rabenvögel selbst waren unschuldig an der Entstehung des Begriffs.

Ich bin vom Verhalten und der Intelligenz dieser Vögel fasziniert

 

Der Name ...

Der Gattungsname Corvus ist seit einigen Jahren überholt. Heute heißt  die Dohle "Coloeus monedula". Genetische Untersuchungen ergaben, dass sie weniger eng mit den Corvus-Arten wie Krähen und dem Kolkraben verwandt ist als lange angenommen. Nun trägt die Dohle wieder den eigenen Gattungsnamen Coloeus. Er ist Vogelkundlern noch ein Begriff aus alten Bestimmungsbüchern und leitet sich von dem griechischen Wort für "gestutzt" ab, was sich auf den kurzen Schnabel bezieht. Weil ihr schwarzes Gefieder mit der grauen "Kapuze" der Kleidung von Dorfpriestern ähnelte, erhielt die Dohle den Beinamen monedula, das "Mönchlein".

Auch die Steinbrüche bilden Lebensräume der Dohle (Bildreferent: Olav Krüger)

Auch der Steinbruch ist ein willkommener Lebensbereich für die Dohle.

Dohlen sind Singvögel und besitzen ein vielseitiges Lautrepertoire.

 

Nahrung

Zur Nahrungssuche finden sich Dohlen bevorzugt auf offenen Flächen ein, vor allem möglichst extensiv bewirtschafteten Kulturflächen mit niedriger Vegetation. (Bei uns kann man die Dohle häufig entlang der Mainwiesen beobachten, wo sie in Trupps auf Nahrungssuche gehen). Dazu gehören auch Weiden, Äcker und in der Großstadt Anlagen mit nicht zu dicht stehenden Bäumen sowie gebietsweise Müllplätze. Dort suchen  sie im Sommer hauptsächlich wirbellose Tiere, wie Insekten und deren Larven - die stellen auch die Lieblingsspeise der Dohlen dar. Oft untersucht sie dann die Baumrinde um an sie heranzukommen - Schnecken und Würmer. Mitunter fangen sie auch Mäuse und auch ein unbewachtes Nest ist vor ihnen nicht sicher.
Im Herbst gehen sie an Beeren und Obst. Im Winterhalbjahr leben sie vorwiegend vegetarisch von Getreide, aber auch von Brot und Küchenabfällen. Zur Unterstützung der Verdauung nehmen die Vögel Magensteinchen auf.

Die meisten Dohlen sind Standvögel, viele nord- und nordosteuropäische Populationen ziehen jedoch im Winter oft zusammen mit Saatkrähen nach Südwesten.
Viele Dohlen überwintern in Mitteleuropa und Frankreich, manche gelangen bis nach Spanien.

Im Winter kommen Gäste aus Nord- und Osteuropa zu uns (Bildreferent: Maximilian Dorsch)
 

Im Winter sieht man Dohlen oft vergesellschaftet mit Saatkrähen

Und was ist da noch?

Bei der Balz wirbt das Dohlemännchen um das Weibchen, indem es sich vor ihm verbeugt und ihm die grauen Hinterkopffedern präsentiert. Das Paar lebt in Dauerehe und ist fast immer zusammen auch bei der Nahrungssuche.
Passende Nistplätze findet die Dohle immer. Sie ist sehr anpassungsfähig und nistet in Kaminen, Mauerlöchern, Höhlungen in Klippen, Schwarzspechthöhlen, meistens jedoch in alten Burgen, Schlössern, mittelalterlichen Türmen, oder Kirchtürmen. Die Alttiere bauen gemeinsam das Nest, das aus Zweigen besteht und mit Haaren und Wolle ausgelegt wird. Die Wolle wird gelegentlich von Weidetieren abgezupft.

 

Dohlen bleiben eine Leben lang zusammen (Bildreferent: Maximilian Dorsch)

Wichtige Merkmale der Dohle:

Größe: etwa einer Taube;
Länge: ca. 33 - 34 cm; Flügelspw.: 67 - 74 cm:
Gewicht: 230 - 250 g;

Brutzeit: Mitte April;
Anzahl der Bruten: 1;
Gelegegröße: 4 -7 blaßblaue, braungesprenkelte Eier;
Brutdauer: 16 - 19 Tage; nur das Weibchen brütet, wird in dieser Zeit vom Männchen gefüttert.
Nestlingszeit: 30 - 35 Tage; die Jungen werden aber nach dem Ausfliegen noch bis zu 4 Wochen gefüttert.

Verhalten: gesellig; Dohlen sind sich ihr Leben lang treu.
Nahrung: Insekten, Würmer, Schnecken, Mäuse, Eier.
Lebenserwartung: selten über 14 Jahre.

Bereits im ersten Lebensjahr "verlobt" sich das Dohlenpaar.

 

Das Weibchen legt vier bis sieben Eier, die es 16 - 19 Tage lang bebrütet. In dieser Zeit bringt das Männchen ihm Nahrung. Beide Eltern füttern die Jungen. Die Nahrung wird dabei im Kehlsack transportiert. Obwohl die Jungen nach etwa 30 bis 35 Tagen flügge sind, werden sie noch einige Wochen länger von den Eltern gefüttert und verlassen erst viele Monate später die Gegend.

Wissenswertes & Interessantes

Die Dohle taucht ihre Nahrung manchmal ins Wasser, bevor sie sie frisst.
Früher glaubte man, wenn man die Zunge der Dohle einschneiden würde, könnte sie Menschenstimmen imitieren. Das war natürlich ein Irrglaube: Vögel benutzen zur Erzeugung von Tönen gar nicht die Zunge. Es ist die Syrinx (der wissenschaftliche Name des Stimmkopfes der ähnlich wie eine Orgelpfeife funktioniert. Er liegt bei den meisten Arten an der Gabelung zwischen Luftröhre und Bronchien und enthält schwingungsfähige Membranen, womit die Vögel singen.)
Der Gesang der Dohle, der selten zu hören ist, besteht aus knackenden Tönen und miauenden Lauten. Auch vom Weibchen hört man diese schwätzenden Darbietungen.
Der berühmte Verhaltensforscher Lorenz hat sich eingehend mit dem Sozialverhalten der Dohle beschäftigt.
Die europäische Population beträgt ca. 4 - 8 Millionen BP.

 

In der Nähe von Höfen frisst die Dohle Getreide und liebt glänzende Früchte wie Kirschen.
Auf dem offenen Land jagt sie kleine Säuger wie Feldmäuse, und in der Stadtnähe sucht sie auch auf Müllkippen nach Nahrung.
Ist genügend Nahrung vorhanden, hortet die Dohle sie gelegentlich unter Wurzeln oder Laub.

Auch Mäuse werden erbeutet, damit erfüllt die Dohle auch eine ökologische Aufgabe (Bildreferent: Markus Gläßel)
 

Die Lieblingsspeise der Dohle sind Insektenlarven.

Gefährdungen

Die Dohle steht in Bayern auf der Vorwarnliste. Als Gefährdungsursachen sind vor allem Veränderungen an und Zerstörung von Brutplätzen in menschlichen Siedlungen zu nennen. Gebäudesanierungen, die keine Schlupflöcher mehr zulassen, Abriss von alten Gebäuden, Neubauten mit glatten Fassaden und natürlich auch die die weiter voranschreitende Versiegelung von Böden.
Hinzu kommt ganz allgemein noch eine Verringerung des Nahrungsangebotes durch eine Intensivierung der Landwirtschaft, vor allem durch die Beseitigung von Kleinstrukturen.

Brutbestand in Bayern, ca. 10.000 - 20.000 BP.

Wir sollten alles dafür tun, ihre Lebensräume zu schützen um ihr ein Überleben zu ermöglichen (Bildreferent: Maximilian Dorsch)

In der Dohlenkolonie hält man zusammen. Haben die Jungdohlen das Nest verlassen, kümmern sich neben den Eltern auch andere Altvögel um sie. Nähert sich ein Feind, (neben dem Habicht und dem Uhu gehört auch der Marder zu den Hauptfeinden der Dohle) wird er von der ganzen Gruppe angegriffen. Und wie sozial diese Vögel sind, erklärt folgende Beobachtung: Auch kranke Vögel versorgt die Sippschaft so gut wie möglich.

Vielen Dank an meine Fotografen: Michael Schiller, Maximilian Dorsch, Markus Gläßel, Olav Krüger und Raimund Linke ohne die eine solche Seite nicht möglich wäre.

Quelle: Broschüre Vogel des Jahres 2012 - NABU
 

 

- letzte Aktualisierung: Sonntag, 05. Februar 2012 -
Unsere Seiten sind optimiert für Internet Explorer 8.0 und Firefox 3.6 bei einer Auflösung von 1024x768 Pixel
© Umweltfreunde Würzburg - Ochsenfurt 2011