Die Pilze des Jahres seit 1994
Dieser Titel wird von der Deutschen Gesellschaft
für Mykologie seit 1994 vergeben.
| Jahr |
Pilz |
wissenschaftlicher Name |
| 1994 |
Eichenrotkappe |
Leccinum quercinum |
| 1995 |
Zunderschwamm |
Fomes fomentarius |
| 1996 |
Habichtspilz |
Sarcodon imbricatus |
| 1997 |
Frauentäubling |
Russula cyanoxantha |
| 1998 |
Schweinsohr |
Gomphus clavatus |
| 1999 |
Satanspilz |
Boletus satanas |
| 2000 |
Königs Fliegenpilz |
Amanita regalis |
| 2001 |
Mäandertrüffel |
Choiromyces maeandriformis |
| 2002 |
Orangefuchsiger Rauhkopf |
Cortinarius orellanus |
| 2003 |
Papageigrüner Saftling |
Hygrocybe psittacina |
| 2004 |
Echte Hausschwamm |
Serpula lacrymans |
| 2005 |
Wetterstern |
Astraeus hygrometricus |
| 2006 |
Ästige Stachelbart |
Hericium coralloides |
| 2007 |
Puppenkernkeule |
Cordyceps militaris |
| 2008 |
Bronze-Röhrling |
Boletus aereus |
| 2009 |
Blauer Rindenpilz |
Pulcherricium caeruleum |
| 2010 |
Schleiereule |
Cortinarius praestans |
| 2011 |
Rote Gitterling |
Clathrus ruber Pers. |
| 2012 |
Graue Leistling |
Cantharellus cinereus |
Der Rote Gitterling, ist der Pilz des Jahres 2011.
Ein ungenießbarer mit außerirdischem Aussehen
 |
Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie hat den Roten
Gitterling zum "Pilz des Jahres 2011" gewählt, um in einer breit
angelegten Mitmachaktion mehr Informationen über seine
Verbreitung zu sammeln. |
|
Pilz des Jahres 2011 ist
der Rote Gitterling |
|
Mit seinem geradezu außerirdischen Aussehen gehört der Rote Gitterling
zu denjenigen Pilzen, die nicht zu übersehen sind. Seine fleischrote
Gitterkugel schiebt sich etwa Tennisball groß aus einer schmutzig
eierschalenfarbigen Hülle, dem Hexenei.
Der Gitterkugel entströmt nach ihrer Entfaltung ein aasartiger Geruch,
der Fliegen anlockt. Diese Kreatur sieht eher aus wie ein Alien aus
einem Sciencefictionhorrorfilm. Ist das überhaupt ein Pilz? Wenn ja,
warum sieht er so aus und warum stinkt er so bestialisch? Ist er giftig
oder sogar gefährlich? Lockt er die Fliegen an, um sie zu fressen wie
eine fleischfressende Pflanze? Die Phantasie projiziert in uns bei der
Betrachtung des Roten Gitterlings Angst und Ekel, aber auch Interesse
und Bewunderung.
Im Pilzreich ist der ungenießbare Rote Gitterling mit seinen nahen
Verwandten, den Stinkmorchelartigen und anderen Gitterlingsartigen die
Krone der Schöpfung. Pilze mit normalem Aussehen wie Fliegenpilz,
Steinpilz, Pfifferling und Co. verbreiten ihre Sporen durch den Wind.
Beim Roten Gitterling hat sich im Laufe der Evolution eine raffinierte
Strategie entwickelt, die die Sporenverbreitung nicht mehr dem Zufall
überlässt. Durch die rote Farbe und den Aasgeruch wird gezielt die
Lieblingsspeise der Schmeißfliegen imitiert: verwesendes Fleisch. Auf
der Innenseite der Gitterkugel befindet sich die grünliche Sporenmasse,
die durch die angelockten Fliegen gierig aufgesaugt wird. Somit ist die
gezielte Sporenverbreitung gesichert.
Der Fachmann nennt das Endozoochorie. Die Pilzsporen werden im
Verdauungstrakt der Insekten transportiert und landen nach der
Ausscheidung idealer Weise wieder direkt auf Erde, wo sie auskeimen. Der
Kreislauf ist geschlossen.
Der Rote Gitterling ist ein sog. Saprophyt, der sich von totem
organischem Material ernährt. Seine Pilzfäden durchziehen das Erdreich
und nehmen gelöste Nährstoffe auf. Hier kann sich der Pilz lange Zeit
aufhalten, ohne dass wir seine Präsenz bemerken. Der eigentliche
Organismus "Pilz" lebt im Verborgenen. Dies trifft übrigens auf alle
Pilzarten zu, deren Fruchtkörper wir als Pilze auf dem Waldboden oder an
Bäumen sehen.
In Deutschland kann der Rote Gitterling in jedem Bundesland gefunden
werden. Er ist allerdings sehr selten. Die Pilzkartierung der
Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM) verzeichnet nur etwa 90
Funde. Meist kommt der Rote Gitterling im Sommer auf Friedhöfen, in
Gärten oder Parkanlagen vor. Im Mittelmeergebiet ist er häufiger zu
finden als bei uns. Wie der Tintenfischpilz, ein naher Verwandter, ist
der Rote Gitterling in Deutschland eingebürgert. Es wurde beobachtet,
dass mehrjährige Vorkommen auch wieder erlöschen können. Ob sich der
Rote Gitterling in Ausbreitung befindet, kann derzeit nicht mit
Sicherheit beurteilt werden. Durch sein unverkennbares Aussehen sollte
es jedoch leicht möglich sein, durch Fundmeldungen an die DGfM in kurzer
Zeit ein besseres Bild seiner derzeitigen Verbreitung zu bekommen. Die
Jagd ist also eröffnet. Mitmachen kann jeder durch eine
Kurzmeldung mit Angabe des Fundortes, am besten mit einem Foto vom Roten
Gitterling, auf der Internetseite der DGfM unter:
www.dgfm-ev.de
Vielen Dank an Frau Dr. Claudia Görke, von der DGfM.
Wer mehr wissen möchte:
www.dgfm-ev.de
zurück
|