Die Flusslandschaften des Jahres seit 2000
Die "Flusslandschaft des Jahres" wird seit
dem Jahr 2000 immer für zwei Jahre von den NaturFreunden Deutschlands
zusammen mit dem Anglerverein Deutschland ausgelobt.
Bisherige Flusslandschaften des Jahres:
| Jahr |
Flusslandschaft |
| 2000 - 2001 |
Die Gottleuba |
| 2002 - 2003 |
Die Ilz |
| 2004 - 2005 |
Die Havel |
| 2006 - 2007 |
Die Schwarza |
| 2008 - 2009 |
Die Nette |
| 2010 - 2011 |
Die Emscher |
| 2012 - 2013 |
Die Helme |
Die Emscher ist die Flusslandschaft des Jahres 2010/2011
Nach der Nette in Rheinland-Pfalz wird die Emscher in
Nordrhein-Westfalen Flusslandschaft des Jahres 2010/2011.
Eine doppelte Herausforderung, denn einerseits waren die Aktivitäten
an der Nette wegweisend, andererseits galt die Emscher lange Zeit
als schmutzigster Fluss Deutschlands. Denn der etwa 83 Kilometer
lange Fluss wurde seit der Industrialisierung für Abwasser (Kloake),
Grubenwasser der Bergwerke und Industrieabwasser der großen
Stahlwerke missbraucht.

Die Industrialisierung hatte insbesondere für die Emscher weit
reichende Folgen: Die durch den Bergbau verursachten Bergsenkungen
ließen das Land um mehrere Meter absacken, Flüsse und Bäche gerieten
aus ihrer natürlichen Bahn. Zudem waren die hygienischen Zustände an
der Emscher katastrophal: Fast alle Abwässer der Industrie und
Städte flossen ungeklärt in die Emscher, die sich dadurch in ein
übel riechendes und giftiges Rinnsal voll von Fäkalien,
Schwermetallen und Chemikalien verwandelt hatte.

Das Wasser bzw. die Kloake sammelte sich in Senkungsmulden, und von
dort wurde es durch die regelmäßigen Hochwasser in die Siedlungen
gespült. Die Folge waren Seuchen wie Typhus und Cholera.
Verbesserungen durch erste Flussregulierungen und
Kanalisationsbauten wurden von immer neuen Bergsenkungen sofort
wieder zunichte gemacht.

Weil die Probleme drängten, erarbeiteten die Flussmanager der 1899
gegründeten Emschergenossenschaft einen kühnen Plan: Der Fluss
sollte um drei Meter tiefer gelegt, begradigt und in v-förmige
Betonrinnen eingefasst werden, die den Abfluss des Wassers
begünstigen. Der Flusslauf der Emscher verkürzte sich dabei von
ursprünglich 109 auf 81 Kilometer. Das Schmutzwasser floss zwar
weiterhin oberirdisch, nun aber kontrolliert zu 21 neuen
Kläranlagen. Im Winter 1908/09 erlebte das Emscherland seine letzte
große Überschwemmung.

Die begradigte Emscher wurde in der Folge zu einem Synonym für die
Unterwerfung der Landschaft durch den Menschen. Tatsächlich aber war
die Kanalisierung der Emscher eine viel zu selten gewürdigte
technische Meisterleistung, welche die weitere industrielle und
wirtschaftliche Entwicklung der Region erst ermöglicht hat.

Mit dem Strukturwandel im Ruhrgebiet und dem gestiegenen
Umweltbewusstsein der Menschen wurde aber auch die Emscher wieder
sauberer. Zielsetzung dieser Flusslandschaft ist, die gewaltigen
Veränderungen, die die "Kloake" Emscher erfahren hat, den Menschen
bewusst zu machen und aufzuzeigen, dass auch das Ruhrgebiet wieder
zu einer lebenswerten und gesunden Region werden kann.
Vielen Dank an Renate und Karl Heinz Beck für die zur Verfügung
gestellten Aufnahmen.
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