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Die Flechte des Jahres seit 2004

Mehr Aufmerksamkeit für die Doppelwesen aus Pilz und Alge

Gekürt wird die Flechte des Jahres von der Bryologisch-lichenologische Arbeitsgemeinschaft für Mitteleuropa (BLAM)

Jahr Flechte wissenschaftlicher Name
2004 Die Gelbflechte Xanthoria parietina
2005 Die Grubige Bartflechte Usnea hirta
2006 Die Caperatflechte Flavoparmelia caperata
2007 Das Isländische Moos Cetraria islandica
2008 Die Wolfsflechte Letharia vulpina
2009 Die Echte Rentierflechte Cladonia rangiferina
2010 Die Rosa Köpfchenflechte Dibaeis baeomyces
2011 Die Gewöhnliche Feuerflechte Fulgensia fulgens
2012 Die Echte Lungenflechte Lobaria pulmonaria

Die "Gewöhnliche Feuerflechte" ist die Flechte des Jahres 2011

Die Gewöhnliche Feuerflechte wächst in lückigen Trockenrasen auf extrem nährstoffarmen und flachgründigen Böden über Kalk- und Gipsgestein. An diesem Standort ist die Art leicht erkennbar durch ihr rosettiges, leuchtend gelbes Lager und die tellerförmigen, orangebraunen Fruchtkörper mit hellerem Rand.
 
Die Gewöhnliche Feuerflechte - Flechte des Jahres 2011 (Bildreferent: W.v.Brackel) Die Gewöhnliche Feuerflechte wächst in lückigen Trockenrasen auf extrem nährstoffarmen Böden.

Die Gewöhnliche Feuerflechte - Fulgensia fulgens

 

Zu verwechseln ist sie allenfalls mit der wesentlich selteneren Fulgensia bracteata, die sich durch ein mehr schuppiges Lager unterscheidet. Die farblich ähnlichen Schönfleck- und Gelb-Flechten (Gattungen Caloplaca und Xanthoria) wachsen stets direkt an Gestein oder an Rinde, nicht auf dem Boden.
Im englischen Sprachraum wird die Flechte bezeichnenderweise "Scrambled-egg lichen", also Rührei-Flechte, genannt. Verbreitet ist die Art über die gesamte Nordhemisphäre, vor allem in den wärmegetönten Kalkgebieten und in den Steppen Eurasiens und Nordamerikas. Im Mittelmeerraum treten weitere, teilweise schwer zu unterscheidende Arten der Gattung hinzu.

Fulgensia fulgens ist eine der Charakterarten der "Bunten Erdflechtengesellschaft", die die trockenen Kalk-, Löss- und Gipsböden vor allem in den Wärmegebieten Süddeutschlands, Österreichs und der Schweiz (Oberrheintal, Main- und Taubertal, Thüringer Becken, Burgenland) ziert. Neben ihr treten hier die graugrüne Toninia sedifolia, das braune Placidium squamulosum, die weiße Squamarina lentigera, die hellgrüne Cladonia convoluta und die orangefarbene Psora decipiens auf.

Im englischen Sprachraum wird diese Flechte "Scrambled-egg lichen", Rührei-Flechte genannt.
Die Nahaufnahme zeigt uns, dass dies bildlich zutrifft.
Noch etwas näher herangegangen - Aufnahme aus Mittelfranken (W.v.Brackel)
 

Die Aufnahmen stammen aus Mittelfranken

Die Gewöhnliche Feuerflechte ist in Deutschland so stark zurückgegangen, dass sie auf der Roten Liste als, "Vom Aussterben bedroht" geführt wird, wie auch ihre Begleiter Squamarina lentigera und Cladonia convoluta, "stark gefährdet" sind Toninia sedifolia und Psora decipiens. In der Schweiz gilt Fulgensia fulgens als "verletzlich" (vulnerable), in Österreich als "stark gefährdet".
Wie Kultivierungsversuche gezeigt haben, ist Fulgensia fulgens keineswegs vermehrungsunfreudig. Ihr Problem, und das betrifft auch ihre Begleiter, ist vielmehr der Verlust des Lebensraumes, das allmähliche Verschwinden der Offenbodenstellen in den Trockenrasen.

Die Gewöhnliche Feuerflechte zusammen Toninia sedifolia (Bildreferent:W.v.Brackel) Die Gewöhnliche Feuerflechte ist in Deutschland eine Rote Liste-Art 1 = vom Aussterben bedroht.

Hier ist Fulgensia fulgens zusammen mit Toninia sedifolia zu sehen

 

Durch anhaltend hohe Nährstoffeinträge aus der Luft ("Lufteutrophierung", die eines der drängendsten, gegenwärtigen Umweltprobleme darstellt), gewinnen raschwüchsige Moose und Blütenpflanzen an Konkurrenzkraft und überwachsen die Flechtenrasen. Zudem begünstigt die weitgehende Aufgabe der Wanderschäferei das Aufkommen von Gehölzen, ebenso entfällt die Schaffung stets neuer Offenbodenstellen durch den Tritt der Schafe. Darüber hinaus wurden (und werden) kleinflächige Trockenrasen durch Flurbereinigung, Wegebau und Aufforstungen aus der Landschaft verdrängt.

Die Gewöhnliche Feuerflechte wurde zur Flechte des Jahres 2011ernannt, auch um auf das allmähliche Verschwinden ihres Lebensraumes, Offenbodenstellen in den Trockenrasen, hinzuweisen. Fulgensia fulgens (Bildreferent:Matthias Vust)
 

Flechte des Jahres 2011 - Fulgensia fulgens - in Deutschland vom Aussterben bedroht



Herzlichen Dank an die Bryologisch-lichenologische Arbeitsgemeinschaft für Mitteleuropa e.V. (BLAM) vor allem an Herrn Wolfgang von Brackel für den Pressetext und die Erlaubnis die tollen Aufnahmen verwenden zu dürfen. Bildreferenten: Wolfgang von Brackel, Matthias Vust (CH).



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- letzte Aktualisierung: Dienstag, 22. November 2011 -
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