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Lebensraum Feuchtgebiet

Feuchtgebiete sind wasserreiche Landschaften, in denen Wasser und Land aufeinandertreffen. In ganz Europa sind Tier- und Pflanzenwelt dieser empfindlichen Lebensräume bedroht.
Was ist ein Feuchtgebiet:
Jeder Lebensraum, dessen Besonderheit gegenüber dem Umland durch höheren Wassergehalt im oder am Boden gekennzeichnet ist, kann als Feuchtgebiet bezeichnet werden. So wäre etwa eine Wiese mit Knabenkräutern ( Frauenschuh, Echte Sumpfwurz, Riemenzunge, Helm-Knabenkraut, Bienen-Ragwurz usw.) und Trollblumen ein Feuchtgebiet. Dabei kann der Platz für den Betrachter ganz trocken erscheinen - entscheidend ist, dass zu einer der vier Jahreszeiten das Wasser so maßgeblich das Biotop prägt, dass sich dies dauerhaft auf Tier- und Pflanzenwelt auswirkt. Eine Streuwiese ist ein Feuchtgebiet, eine Magerwiese ein Trockenlebensraum. Viele Feuchtgebiete bestehen nur kurz. Einige trocknen jeden Sommer aus, andere erscheinen mit Hebungs- und Senkungsvorgängen oder nach Regenfällen und Tauperioden. Die Trockenlegung dauerhafter Feuchtgebiete hat in Deutschland lange Tradition. Zum Beispiel ließ Friedrich der Große das weite Oderbruch trockenlegen. Im Oberrheingebiet begradigte man den Rhein, diese sogenannte "Korrektur" wurde 1817 begonnen. Viel neueren Datums sind Baumaßnahmen im Zusammenhang mit dem Rhein-Main-Donau-Kanal, der manchmal als teuerstes und zugleich sinnlosestes Projekt der Gegenwart bezeichnet wird.
Viele Orchideen sind an feuchte Standorte angepasst. Hier kommen Sumpf- und Fleischrotes Knabenkraut vor, aber auch Fuchs-, Breitblättriges und Geflecktes Knabenkraut gehören in die Feuchtwiesengesellschaft. Die bei uns am häufigsten anzutreffende Orchidee ist die Echte Sumpfwurz.
Eine unserer populärsten Vogelarten ist von Feuchtlebensräumen abhängig. es ist der Weißstorch, der hier auf die Jagd nach großen Insekten, Mäusen und Fröschen geht.
Ein besonderer Lebensraum ist das Schilf. Einzelne Vogelarten leben fast nur in diesem Biotop: Bartmeisen, Rohr- und Zwergdommeln, Wasserrallen und verschiedene Rohrsänger trifft man kaum außerhalb des Röhrichts an.
Wir werden hier in lockerer Folge über die Bewohner Flora und Fauna der Feuchtgebiete eingehen, aber auch die Bedeutung und den Schutz der Feuchtgebiete behandeln.

Die Tafelente (Aythya ferina)

Die Tafelente ist eine attraktive Tauchente, die in Mitteleuropa brütet. Im Winter ist der Erpel mit seinem dreifarbigen Gefieder ein vertrauter Anblick auf ruhigen Gewässern.

Tafelente
Der Erpel ist an seinem typischen Gefieder, den roten Augen und der Schnabelschabracke zu erkennen

Das Areal der weit verbreiteten Tauchente, die zu den häufigsten europäischen Tauchenten gehört, reicht von Island und Westeuropa (Irland, Spanien) bis nach Mittelsibirien mit einzelnen mehr oder minder isolierten Verbreitungsinseln in China und Nordjapan.
Nach Süden erreichen einzelne Vorkommen die Subtropen, die Nordgrenze hört weit vor den subarktischen Bereichen auf. In Amerika leben zwei sehr ähnliche Tauchentenarten.

Seit etwa 130 Jahren lässt sich über Mittel- bis Westeuropa eine Ausbreitung nach Westen feststellen, die zu vielen neuen Brutansiedlungen und auch zum Wachstum lokaler Bestände geführt hat. Neuerdings ist aber, im Unterschied zur Reiherente, eine generelle Ausbreitung und Zunahme zum Stillstand gekommen.
In Mitteleuropa nehmen an schon länger besiedelten Brutplätzen die Zahlen der Brutpaare ab.

Der Europäische Bestand der Tafelente wird mit 270.000 - 370.000 BP angenommen, wobei der Schwerpunkt mit etwa 80% des Bestandes in Osteuropa liegt. Da es außerhalb Europas keine nennenswerte Bestände der Tafelente gibt, hat Europa eine hohe Verantwortung für die Erhaltung dieser Art.
Die Tafelente brütet erst seit den 1930er Jahren in Deutschland. Ihr Brutbestand stagniert seit Mitte der 90er Jahre bei geschätzten 4.500 - 7.500 BP. Dies ist im wesentlichen auf Störungen durch Freizeitaktivitäten, wie Bootfahren, Sportangeln, Baden oder Windsurfen zurückzuführen.
In Bayern ist die Tafelente zerstreut verbreitet. Verbreitungsschwerpunkte bilden die Teichgebiete der Oberpfalz, Mittelfrankens sowie große Flusstäler von Main, Donau sowie der Mittel- und Unterlauf der dealpinen Flüsse mit Stauseen und Altwässern. Auch viele kleinere und größere Voralpenseen sind besiedelt.
Die höchsten Brutplätze liegen bei 765 m ü.NN. Im Winter machen Tafelenten einen großen Teil der Tauchentenbestände aus, die Zahl der Überwinterer scheint aber abgenommen zu haben. In Bayern geborene Tafelenten wurden im Winterhalbjahr in Irland, Süd- und Westfrankreich, aber in späteren Jahren auch in Bayern gefunden, zwei brütende Weibchen im Frühjahr und Spätsommer in Kasachstan.
Der Brutbestand in Bayern wird mit 400 - 800 BP angenommen.
 

Die Wanderungen der Tafelente sind kompliziert. Von Langstreckenzieher über Kurzstrecken- bis Teilzieher und Standvögel umfasst die Palette.
Brutgebiet der Tafelente - Überwinterungsgebiete  

Die Tafelente lebt in Europa auf Süßgewässern, im asiatischen Teil ihres Verbreitungsgebietes geht sie auch ins Salzwasser.
Ziehende Tafelenten legen oft beträchtliche Strecken zurück. Ein in England beringter Vogel wurde an der Küste des Ochotskischen Meeres um die Halbinsel Kamtschatka im äußersten Nordostsibirien aufgefunden.
Auf dem Ijsselmeer, einer durch einen Deich abgeschlossenen Nordseebucht, sammelt sich alljährlich ein Mauserschwarm von 50.000 Tafelenten.
Über Jahrzehnte gab es auch eine große Mauserkonzentration von bis zu 20.000 Vögeln im Ismaninger Teichgebiet in Südbayern. Doch dieses internationale Mauserquartier scheint als Folge technischer Änderungen der Abwasserklärung zusammengebrochen zu sein.

Paar

Länge: 42 - 49 cm, Erpel meistens größer als Ente.
Flügelspannweite: 72 - 82 cm.
Gewicht: 700 - 1200 g, Erpel schwerer als Ente.
Geschlechtsreife: meist mit 1 Jahr
Brutzeit: Mitte Mai bis Anfang Juni
Anzahl der Bruten: 1
Gelege: (4)5-12(14)
Brutdauer: 27 - 28 Tage
Die Jungen sind mit 50 -55 Tagen flügge.
Das Weibchen baut das Nest, brütet und führt die Jungen. Während der Brutzeit hält sich das Männchen auf freien Wasserflächen auf und begleitet das Weibchen in den Brutpausen.

Lebensweise:
Verhalten: gesellig, lebt die meiste Zeit des Jahres in kleinen Trupps.
Nahrung: Wasserpflanzen, Wassertieren (kleine Muscheln, Mückenlarven)

Hier können Sie die Stimme der Tafelente hören

Unser Feuchtgebiet bei Herchsheim

Unser Feuchtgebiet in der Nähe von Würzburg wurde  mit Hilfe von Spenden aus der Bevölkerung und Entgegenkommen von Landwirten vergrößert und bepflanzt. Viele LKW-Stunden waren nötig, um die vorhandene Fläche des Feuchtbiotops zu erweitern. Inzwischen sind drei neue "kleine Seen" entstanden. Der Uferbereich wurde bereits angelegt, somit ist eine Vernetzung zwischen dem "älteren Feuchtgebiet", dem Bachlauf und der neuen Fläche erreicht worden, sehr zur Freude der dort vorkommenden Vogelwelt. Außerdem wurde auf einem Teil der Wiese eine kleine Streuobstwiese angelegt.

Winter

Dass dieses Feuchtgebiet sich bei der Vogelwelt und Insektenwelt immer größerer Beliebtheit erfreut, zeigt die Tatsache, dass dieses Gebiet inzwischen zu den artenreichsten Libellenvorkommen Nordbayerns zählt.

Schnee

Durchzügler wie Weißstorch, Seidenreiher, Bekassine, Schwarzstorch, oder Waldwasserläufer, nehmen diese Feuchtflächen gerne als Raststätte an, bevor es weiter in die Winterquartiere oder Sommerquartiere geht.
Wir werden Sie hier auch weiter über unser Feuchtgebiet in Herchsheim und dessen Besucher informieren.

Liste der Besucher in unseren Feuchtbiotopen


- letzte Aktualisierung: Mittwoch, 11. Mai 2011 -
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